Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Bundeskanzler Sebastian Kurz und Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (beide ÖVP) haben in den vergangenen Tagen einer Gruppe von Holocaust-Überlebenden ein wunderbares Geschenk gemacht. Sie wurden mit allen Ehren empfangen, besuchten das Parlament, den 100-Jahre-Republik-Staatsakt in der Oper. Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, überreichte den insgesamt 84 sehr betagten Überlebenden, die inzwischen seit langem Israelis sind, im Stadttempel Ehrenmitgliedschaftsurkunden. Da war viel Rührung im Spiel und es floss auch so manche Träne.

Und dann. Und dann schickte der Koalitionspartner FPÖ – die Holocaust-Überlebenden sind bis heute, Dienstag, in Österreich – anlässlich des Beschlusses, e-cards künftig mit Fotos zu versehen, ein Video in die Weiten des Internet, das in nicht einmal einer Minute Laufzeit Ausgrenzung und Ausländerfeindlichkeit transportiert. Wobei. Bei näherer Betrachtung haben die Freiheitlichen hier nicht irgendwelche Ausländer im Fokus. Ali und Mustafa sind typische Vornamen in Familien türkischer Herkunft. Der gezeichnete Fez verstärkt diesen Eindruck (wiewohl der Fez ursprünglich aus Nordafrika stammt, wurde er später von Sultan Mahmud II. in den 1820er Jahren in der Türkei eingeführt und 1925 von Kemal Atatürk verboten, er wird aber bis heute vor allem mit der Türkei assoziiert).

Anders als etwa Afghanen oder Syrer, die sich nach Österreich geflüchtet haben, wurden Türken vor einigen Jahrzehnten vom österreichischen Staat geholt, um hier zu arbeiten. Insoferne ist die ausgrenzende Botschaft besonders perfide. Inzwischen leben die Enkel und teils auch Urenkel der ersten Gastarbeitergeneration hier zu Lande, sie wurden hier geboren, haben die österreichische Staatsbürgerschaft, die jungen Männer gehen zum Bundesheer oder absolvieren den Zivildienst.

Die Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen, das muss auch die FPÖ zur Kenntnis nehmen. Österreich ist eine Einwanderungsgesellschaft – das war es eigentlich immer schon, man denke nur an die hohe Mobilität innerhalb der Kronländer in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Ja, auch damals waren nicht immer alle herzlich willkommen – Stichwort Antisemitismus, der nicht in den 1930er Jahren einfach aufpoppte, sondern lange zuvor salonfähig gemacht wurde. Viele Jüdinnen und Juden reagierten mit Säkularisierung, mit Anpassung – gebracht hat es ihnen am Ende wenig.