Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Drei Mal habe ich eben die Passage nachangehört. Aber der Inhalt des Gesagten verändert sich natürlich nicht. Kürzlich war der US-Investor George Soros zu Gesprächen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (beide ÖVP) in Österreich, da die von ihm finanzierte Central European University von Budapest nach Wien verlegt werden soll. In den Debattenbeiträgen unter Zeitungsberichten vor allem über das Treffen von Soros mit dem Kanzler sowie auf Twitter entlud sich darauf Hass und jede Menge Antisemitismus.

Dazu gestern Abend in der ZIB2 des ORF befragt, meinte Minister Faßmann: "Was sich im Internet so alles abspielt, also da ist manchmal mehr Abstand durchaus ratsam." Und dann auf Nachfrage des Interviewers, was in diesem Zusammenhang mehr Abstand bedeute, wenn es eine antisemitische Grundspülung hochspüle: "Richtig. Genau. Das muss man nicht alles zur Kenntnis nehmen. Das sollte man ignorieren, weil es zu ignorieren ist. Das hat ja nichts mit der Person George Soros im Prinzip zu tun."

Ich möchte es gerade heraus formulieren: Hier irrt der Minister. "HIAS (Hebrew Immigrant Aid Society, Anm.) will Invasoren hereinbringen, die Menschen töten. Ich kann nicht abwarten und zusehen, wie meine Leute geschlachtet werden", schrieb Robert Bowers, der schließlich in einer Synagoge in Pittsburgh ein Blutbad anrichtete, auf seinem GAB-Account (einem sozialen Medium). Juden bezeichnete er dort zudem als "Kinder Satans".

Hass im Netz ist nicht harmlos

Antisemitismus im Netz ist nicht zu verharmlosen. Darüber waren sich auch Experten und Expertinnen einig, die vergangene Woche auf Einladung der Österreichischen HochschülerInnen (ÖH) bei der Konferenz "Confronting Antisemitism" sprachen. So betonten Samstag Abend die deutsche Soziologin und Autorin Jutta Ditfurth und Tuija Wigard von der Berliner Monitoring-Einrichtung "Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus", dass es hier gesamtgesellschaftliche Gegenstrategien brauche. Denn wer seinem Antisemitismus im Netz freien Lauf lässt, der kann eines Tages so überzeugt davon sein, dass er das Richtige tut, dass er im realen Leben zur Waffe greift und damit zur Tat schreitet. In Echokammern bestätigen einander Gleichgesinnte immer und immer wieder. Das ermuntert, das führt zu einem Gefühl der Stärke.