Chanukka-Regal im koscheren Supermarkt Shefa in der Heinestraße. - © Alexia Weiss
Chanukka-Regal im koscheren Supermarkt Shefa in der Heinestraße. - © Alexia Weiss

Beim Bäcker war die Dekoration heute Früh rot und schwarz gehalten: Nikolos und Krampi (ja, ich wollte eigentlich Krampusse schreiben, aber der Duden sagt klar: Krampi) beherrschten die Theke. Im koscheren Supermarkt gab es dagegen alles für Chanukka: Kommenden Sonntag zünden wir heuer das erste Licht. Ein Regal voller Chanukkiot, Kerzen, Öl und Dochte bietet eine wunderbare Auswahl. Um das ewige Kerzendilemma zu umschiffen (interessanterweise gibt es nie die absolut perfekt passenden Kerzen für Chanukka-Leuchter, was mich jedes Jahr erneut die Frage stellen lässt, warum es dieses Problem mit Christbaumkerzen nicht zu geben scheint), habe ich mich heuer für Olivenöl entschieden. Das gibt es bereits in kleine Becherchen mit Docht abgefüllt, die man in den Chanukka-Leuchter einsetzen kann.

Und dann ist da noch die Überlegung, dass Öl ja eigentlich viel näher an dem dran ist, was damals im Tempel passierte. Die jüdischen Traditionen sollten verschwinden und durch griechische ersetzt werden. HaSchem sollte Geschichte sein, angebetet wurde nun Zeus. Dank der Makkabäer und ihrem erfolgreichen Aufstand konnte der Tempel wiedereingeweiht werden. Doch es war nicht mehr genug Öl da, um die Menora am Leuchten zu halten. Es musste neues Öl gefertigt werden, was acht Tage in Anspruch nahm. Das Wunder, an das wir uns jedes Jahr zu Chanukka erinnern, bestand darin, dass das Öl nicht nur wie erwartet für einen, sondern die ganzen acht Tage reichte.

Gegessen werden daher auch in Öl herausgebratene Speisen: Sufganjot (Krapfen) in verschiedensten Varianten und Latkes (Kartoffelpuffer) sind dabei die gängigsten Speisen. Dass meine Tochter just am morgigen Freitag im Biologieunterricht ein Referat über Sonnenblumen- und Rapsölproduktion halten wird, ist da auch so etwas wie ein Wink des Schicksals. Ich bin ja grundsätzlich nicht abergläubisch, aber manchmal ist es schon erstaunlich, wie Begebenheiten aus verschiedenen Lebensbereichen am Ende des Tages zu einem Ganzen zusammenwachsen.

Was ist Integration?

Ich meinerseits werde am morgigen Tag meine afghanischen Freunde, die seit mittlerweile dreieinhalb Jahren in Österreich leben, sich aber immer noch im Asylverfahren befinden, zu ihrem Termin beim Bundesverwaltungsgericht begleiten. Dabei könnte auch das Thema Integration zur Sprache kommen. Natürlich werden sie auch weiterhin wie bisher ihre Feste feiern, natürlich werden sie auch weiter ihre Lieblingsspeisen von zu Hause kochen oder sich zu Hause in ihrer Muttersprache Dari unterhalten.