Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Verbotsdiskussionen, die sich um religiöse Symbole drehen, laufen stets in verschiedene, aber immer vorhersehbare Richtungen. Wenn es um das Kopftuch von Muslimas geht, ist rasch der Begriff Integration zur Hand. Wird dann moniert, dass hier zu Lande nach dem Gleichheitsgrundsatz vorgegangen werden muss, bringt das die Kippa jüdischer Buben oder das Tuch/den Turban von Sikh-Jungen in die Debatte mit ein. Und dann ist bald das Argument zur Hand, es sei nicht gut, dass Eltern kleine Kinder quasi indoktrinieren. Es müssten also alle religiösen Symbole weg.

So ist wohl auch die kürzlich von den NEOS formulierte Forderung für eine Schule ohne religiöse Kleidung für Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 14 Jahren zu verstehen, wenn Parteichefin Beate Meinl-Reisinger sagt, Kinder sollten in einem "religionsfreien Raum" aufwachsen können, um dann "eine freie Entscheidung oder freiere Entscheidung treffen" zu können. Für eine Religion solle man sich also erst im Erwachsenenalter entscheiden, so das hier herauszulesende Fazit.

Dazu ist einerseits zu sagen: Es sind die Eltern, die ihre Kinder erziehen. Der Staat hat über die schulische Bildung und Ausbildung zwar auch einen großen Anteil an der Entwicklung eines Kindes. Aber es sind doch die Eltern, die die Richtung vorgeben, wie ihre Söhne und Töchter aufwachsen sollen, welche Werte sie ihnen mitgeben.

Es sind die Eltern, die entscheiden, zu welchem Arzt oder welcher Ärztin sie ein Kind bringen und damit, ob sie etwa schul- oder alternativmedizinisch behandelt werden, es sind die Eltern, die entscheiden, ob das Kind geimpft wird oder nicht, ob Ohrlöcher gestochen werden, ob und wie Haare geschnitten werden, wie das Kind angezogen ist und welche Freunde es zu sich nach Hause einladen darf. Es sind die Eltern, die entscheiden, was ein Kind isst oder nicht isst, welches Spielzeug sie für ihr Kind als geeignet erachten, wieviele Stunden es vor dem Fernseher, Computer, Tablet verbringen darf und welche Sportart es in jungen Jahren erlernt.

Religionsfreiheit ist Verfassungsrecht

Und es sind eben auch die Eltern, die entscheiden, mit welcher Religion und wie religiös ein Kind aufwächst. In Österreich gilt zudem verfassungsrechtlich verankerte Religionsfreiheit. Jeder und jede darf die Religion leben, in der er oder sie aufgewachsen ist. Und ja, auch die Religion, für die er sich im Erwachsenenalter entschieden hat. Doch seien wir ehrlich: Es gibt überzeugte Konvertiten und Konvertitinnen. Menschen, die den Weg zu Gott als Erwachsene finden, sind aber in der Minderzahl.