Am letzten Channuka-Abend dieses Jahres eröffnete Sonntag Abend der Book Shop Singer, nun mit Café, neu am Rabensteig. Rabbiner Pardes zündete im Rahmen der Feier das letzte Licht gemeinsam mit dem Nachwuchspianisten Natan Sugar. - © Alexia Weiss
Am letzten Channuka-Abend dieses Jahres eröffnete Sonntag Abend der Book Shop Singer, nun mit Café, neu am Rabensteig. Rabbiner Pardes zündete im Rahmen der Feier das letzte Licht gemeinsam mit dem Nachwuchspianisten Natan Sugar. - © Alexia Weiss

Full house am Rabensteig: Dorothy Singer lud am Sonntag zur Eröffnung ihres neuen Cafe Book Shop Singer, der nun in Räumlichkeiten der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien neben dem Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) untergebracht ist. Aus dem Jüdischen Museum Wien musste Singer vergangenes Jahr ausziehen. Die Kultusgemeinde wiederum dachte schon länger daran, in den nach einer Renovierung des Gebäudes frei stehenden Räumen einen Infopoint und ein Café unterzubringen. Nun wurde die etwa 180 Quadratmeter große Fläche im Erdgeschoss Ecke Rabensteig/Seitenstettengasse für die Nutzung als Buchhandlung und Café, aber auch als Kulturraum adaptiert.

Die Philosophin Isolde Charim sprach bei der Feier über Assimilation und Integration, um schließlich festzustellen: Neues verändert auch das Althergebrachte, Pluralisierung betreffe also alle, nicht nur jene, die neu zu einer Gesellschaft stoßen. Vor ein paar Jahren sei auf Wiens Straßen ein türkises Plakat mit der Aufschrift "Der Bauch sagt: Respekt ist Kopfsache" zu sehen gewesen. Darauf abgebildet: Vier Köpfe von hinten – ein Mann mit Kippa, ein Mann mit dunkler Hautfarbe, eine Frau mit Kopftuch und ein Mann mit Trachtenhut. In dieser Darstellung sei der Trachtenhutträger Teil einer Reihe, er sei ein Typus unter anderen "und das entspricht der heutigen Realität". Früher habe er die Normalität bestimmt, heute habe er seine Vorherrschaft verloren, nicht nur in dieser Darstellung, sondern auch in der Wirklichkeit. Und das Nebeneinander von Kulturen sei leider eben nicht nur von Respekt getragen, sondern auch von Kampf gezeichnet.

Aufeinander zugehen kann hier helfen – und der Cafe Book Shop Singer wird ab sofort ein offener Ort sein, an dem man jüdische Kultur inhalieren kann. Der Infopoint wird Infomaterial zum jüdischen Wien für Touristen bieten, hier ist künftig auch der Treffpunkt für Führungen durch den benachbarten Stadttempel. In einem Nebenraum der Buchhandlung soll in den kommenden Monaten auch noch eine kleine Ausstellung von Felicitas Heimann-Jelinek konzipiert werden, kündigt Singer an. Die Buchhandlung bietet wie schon bisher Jüdisches vom Roman bis zum Sachbuch, zudem Zeitgeschichtliches und – mit dem VWI als Nachbar – auch Sozialwissenschaftliches.

Kulturprogramm geplant