Das Wissen um Einzelschicksale (hier eine - durchaus diskussionswürdige - Darstellung von Anne Frank bei Madame Tussauds Amsterdam) macht den Holocaust begreifbarer. Was fehlt ist ein breiterer Zugang zur Täterperspektive.  - © Alexia Weiss
Das Wissen um Einzelschicksale (hier eine - durchaus diskussionswürdige - Darstellung von Anne Frank bei Madame Tussauds Amsterdam) macht den Holocaust begreifbarer. Was fehlt ist ein breiterer Zugang zur Täterperspektive.  - © Alexia Weiss

Anne Frank, überall. Wer Amsterdam besucht, kommt an ihr kaum vorbei. Selbst wenn man nicht das Anne Frank Haus besucht, scheint sie allgegenwärtig. Vergangene Woche begegnete sie mir im Rahmen einer künstlerischen Installation am Dam, dem Hauptplatz des mittelalterlichen Kerns der Stadt, an dem sich auch der Königspalast befindet. Sie begegnete mir auf einer überdimensionalen Vase, im typischen holländischen Porzellanmalerei-Blau gehalten, in einem Palatschinken-Restaurant. Selbst Madame Tussauds Amsterdam hat die heute so berühmte deutsche Zuwanderin in Wachs gegossen. Wie passend oder unpassend es ist, eine so tragische Figur Teil einer Vergnügungswelt werden zu lassen, als die sich die internationalen Ableger des berühmten britischen Wachsfigurenkabinetts heute präsentieren, sei dahingestellt.

Doch nicht nur die Geschichte des Mädchens, dessen Tagebuch heute weltweit bekannt ist, erinnert in Amsterdam an den Holocaust. Das sehr modern gestaltete Jüdische historische Museum, interessanterweise in einer früheren Synagoge untergebracht (was ich etwas merkwürdig empfand, denn hier wird ein Gotteshaus zum Gesamtmuseumsstück, dort, wo früher die Betenden saßen, gibt es nun Video- und Audiostationen), behandelt in einem kurzen Abschnitt auch die dunkelste Zeit der jüdischen Gemeinde, die gerade in Amsterdam über Jahrhunderte gut lebte. Als in Portugal die Inquisition Juden, die sich zwar taufen hatten lassen, aber privat weiter als Juden lebten, dazu trieb, das Land zu verlassen, um nicht Gefahr zu laufen, aufzufliegen und getötet zu werden, fanden viele von ihnen in Amsterdam eine neue Heimat. Die portugiesische Synagoge Esnoga aus dem 17. Jahrhundert ist davon beeindruckendes Zeugnis – und sie ist auch bis heute in Betrieb.

Zugänge des Holocaust Museums in Amsterdam

Das Thema Holocaust begegnet einem auch in einer Gedenkstätte – und in einem eigenen Holocaust Museum. Dieses ist zwar von den Räumlichkeiten her nicht so attraktiv wie das Jüdische Historische Museum. Es bietet aber verschiedenste, sehr ansprechende Zugänge zum Thema. Da ist die Videowand, auf welche die Namen der von den Nationalsozialisten ermordeten holländischen Jüdinnen und Juden nacheinander projiziert werden. Von den 1940 rund 140.000 in den Niederlanden lebenden Juden wurden mehr als drei Viertel getötet.