Ich hatte ihn interviewt zum Thema Zuwanderung in der jüdischen Gemeinde Wiens und er hatte mir ergänzend dazu noch eine Power Point-Präsentation gemailt, welche die Geschichte der Kultusgemeinde nach 1945, die Zuwanderungswellen, genaues Zahlenmaterial präsentierte. Mein Artikel war fertig geschrieben – dennoch sollte er nicht erscheinen. Man kann in einem aktuellen Beitrag nicht jemanden zitieren, der verstorben ist.

Das hat sich vor fünf Jahren ereignet – so lange ist das nun schon her. Fünf Jahre ist Alexander Friedmann schon tot, damals plötzlich und unerwartet aus dem Leben gerissen: Herzversagen. Die Betroffenheit in der jüdischen Community war groß: der Psychiater Friedmann, selbst 1948 in Bukarest geboren, Vater dreier Kinder, hat sich stets für Menschen und deren Nöte, für traumatisierte Holocaust-Überlebende ebenso wie für traumatisierte Flüchtlinge, für Migranten, für sozial Benachteiligte innerhalb und außerhalb der jüdischen Community eingesetzt.

So hatte er am Wiener AKH die Ambulanz für Transkulturelle Psychiatrie aufgebaut und bis zu seinem Tod geleitet. Innerhalb der Kultusgemeinde verhalf er der Idee einer psychischen Betreuung für Überlebende der NS-Verfolgung zur realen Umsetzung in Form von ESRA (Hebräisch: Hilfe), das sich seit seiner Gründung 1994 bis heute zu einem psychosozialen Zentrum entwickelt hat, das noch weit mehr abdeckt: unterstützt werden Menschen, "die in unterschiedlicher Weise in Not sind", wie es der kaufmännische Leiter von ESRA, Peter Schwarz, formuliert. Geholfen wird auf medizinischer, psychotherapeutischer, psychologischer, sozialarbeiterischer, aber auch finanzieller Ebene.

Peter Schwarz ist ein langjähriger Wegbegleiter Friedmanns bei ESRA, dessen Obmann Friedmann bis zu seinem überraschenden Tod war. Kürzlich wurde von ESRA bereits zum fünften Mal der "Dr. Alexander Friedmann-Preis" verliehen, dieses Jahr an den steirischen Verein "OMEGA – Transkulturelles Zentrum für psychische und physische Gesundheit und Integration". Schwarz betonte bei diesem Anlass, dass es bei der Vergabe dieses Preises nicht nur um die Auszeichnung psychosozialer Projekte gehe, sondern auch "den Namen Alexander Friedmann nicht in Vergessenheit geraten zu lassen". Zeitlebens habe er sich für andere eingesetzt, oft auf unkonventionelle Art, immer mit vollem Engagement. "Er hat sich in die Bewältigung von Problemen regelrecht hineingeworfen."