Was ist nun besser? Die moderne Fleischindustrie oder doch die traditionelle Form des Schlachtens? - © Alexia Weiss
Was ist nun besser? Die moderne Fleischindustrie oder doch die traditionelle Form des Schlachtens? - © Alexia Weiss

Der oberste Gerichtshof Polens fällte am Mittwoch ein Richtung weisendes Urteil: Das mit Beginn 2013 in Kraft getretene Schächtverbot ist demnach verfassungswidrig – und wurde nun aufgehoben. Dafür hatten die jüdischen Gemeinden Polens in den vergangenen beiden Jahren vehement gekämpft, mit starker Unterstützung durch die Europäische Rabbinerkonferenz.

Interessant ist die Begründung von Richterin Maria Gintowt-Jankowicz. Denn die Aufhebung erfolgte nicht nur mit Verweis auf die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit. Die Richterin begründete die Entscheidung auch damit, dass seitens der Tierschützer ein wissenschaftlicher Nachweis fehle, dass eine direkte und schnelle Tötung schmerzhafter sei als eine langsame mit vorheriger Betäubung. Das koschere Schlachten (Schechita, Schächten) erfolgt ja mit einem raschen Halsschnitt. Und wie mir ein Rabbiner vor einiger Zeit erklärte, verliert das Tier mit dem Schnitt auch sofort das Bewusstsein.

Ganz persönlich habe ich Probleme mit jedweder Schlachtart und Fleischverzehr und lebe daher vegan. Ob das so gesund ist, will ich aber angesichts der vielen Nahrungsergänzungsmittel, die ich zum Auffüllen meiner Mängel (wie Eisen und Vitamin B 12) brauche, dahingestellt lassen. Soll heißen: Der Mensch ist nun Mal als Allesesser konzipiert und der Verzehr von Tieren gehört zu einer wirklich ausgewogenen Ernährung wohl dazu.

Und ja, was ist nun besser? Die moderne Fleischindustrie? Mit langen Tiertransporten, Betäubungen, die in diesem Fabriksprozess nicht immer wirklich so gesetzt werden, das sie optimal wirken? Oder doch die traditionelle Form des Schlachtens, von Hand, bei der jedes Tier vor der Tötung untersucht wird, ob es tatsächlich rundherum gesund ist, bei der Tieren kein langer Transport zugemutet und sie diesem Stress daher nicht ausgesetzt werden?

Das koschere Schlachten hat auch viel mit der heute so vielgepriesenen Nachhaltigkeit zu tun. Hier werden Tiere aus der Region ausgewählt, um den Transport zum Schlachthof so kurz als möglich zu halten. Rinder oder Hühner, die krank und daher mit Antibiotika vollgestopft sind, würden sich nicht zum Schächten eignen. Das kommt ja dann auch wieder jenem, der das Fleisch schließlich isst, zu Gute. Natürlich ist dieses Fleisch, also das koschere, dann auch wesentlich teurer. Aber Fleisch in Bio-Qualität gibt es ebenfalls nicht zum Billig-billiger-am billigsten-Aktionspreis.

Unterm Strich: Dass Tierschützer gegen das Schlachten von Tieren ankämpfen, ist nachvollziehbar – sie sollten sich dann allerdings konsequent gegen jegliche Fleischproduktion aussprechen, und eben nicht nur gegen die rituellen Schlachtungen. Prangern sie nur diese an, beziehungsweise bekommen sie von verschiedenen politischen Seiten hier massiv Unterstützung, hat die Sache doch einen fahlen Beigeschmack. Geht es wirklich nur um das Wohl der Tiere? Oder schwingt da doch eine Portion Antisemitismus mit?

Polen hat sich hier nun klar positioniert und das ist fein und überraschend zugleich, da sich in Europa – schauen wir nach Frankreich! – kein gutes Klima für Jüdinnen und Juden zusammenbraut. Und ja, wie die polnische Richterin, würde mich auch eine wissenschaftliche Untersuchung interessieren, die darlegt, wie Tiere bei ihrer Tötung am wenigsten leiden. Aber auch, wie das für den Konsumenten am gesündeste Fleisch zu erzielen ist. Der modernen Nahrungsmittelindustrie geht es ja vor allem um Effizienz. Betäubt wird hier vor der Schlachtung, weil es das Gesetz vorschreibt. Und wohl auch, weil betäubte Tiere leichter am Fließband umzubringen sind als solche, die lebendig vor einem stehen.