Imam Ramazan Demir (links) und Rabbiner Schlomo Hofmeister am Rand der Buchpräsentation. - © Alexia Weiss
Imam Ramazan Demir (links) und Rabbiner Schlomo Hofmeister am Rand der Buchpräsentation. - © Alexia Weiss

Viel war in den vergangenen Wochen von der Bedrohung durch Antisemitismus von islamistischer Seite die Rede. Und ja, die Anschläge in Europa in den vergangenen Monaten und Jahren haben gezeigt, dass Juden durchaus zu den Zielen islamistischer Attentäter gehören. Das schürt Vorurteile und Mauern im Kopf: plötzlich werden alle Muslime beziehungsweise alle, die auch auf den ersten Blick als solche erkennbar sind, zum potenziellen Feind. Und so schaukelt sich ein Konflikt hoch, der allen schadet.

Wiens Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister hat sich vor einiger Zeit mit dem Imam Ramazan Demir, er ist Gefängnisseelsorger und Religionslehrer, angefreundet. Was die beiden auf privater Ebene erkannt haben, dass es nämlich im Grunde viele Gemeinsamkeiten im Alltag von Muslimen und Juden gibt, wollten sie auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen: gemeinsam reisten sie nach Istanbul und Jerusalem und stellten einander jeweils die religiösen Stätten des Islam und des Judentums vor. In dem Buch "Reise nach Jerusalem" (eben erschienen im Amalthea Verlag) haben sie diese Erfahrung nun dokumentiert – die Fotos steuerte Florian Rainer bei.

An Hand dieser Aufnahmen lassen Hofmeister und Demir das gemeinsame Abenteuer Revue passieren: viel erfährt man dabei über den Islam, viel über das Judentum, viel über Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Der von gegenseitigem Respekt und wechselseitigem Wohlwollen und Verständnis geprägte Dialog lässt einen als Leser nicht unbeeindruckt zurück. Was bereits bei der Präsentation des Buches im Außenministerium – es kamen mehr Menschen, als der Raum fassen konnte – spürbar war, manifestiert sich hier auch schriftlich: die Probleme, die es gibt, sind politischer Natur. Auf der rein religiösen Ebene gäbe es diese nicht. So erleben es zumindest Hofmeister und Demir.
Beide haben sich im Rahmen ihrer Reflexion auch um heikle Themen nicht herumgeschummelt. Stichwort Radikalisierung. Gemeint ist hier jene, die so vielen Juden Sorgen macht: die islamistische. "Obwohl die Radikalisierung in Österreich zur Zeit noch ein Randphänomen ist, ist es aber gleichzeitig ein sehr ernst zu nehmendes Thema. Deshalb besteht auch ein Teil meiner Arbeit dagegen anzugehen", betont Demir. Wichtig sei ihm dabei, die mehrheitlichen friedlichen Muslime davor zu schützen und die wenigen Radikalen zu deradikalisieren, "was keine leichte Aufgabe ist".