Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin. - © Stanislav Jenis
Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin. - © Stanislav Jenis

Antisemitisches, Verhetzendes, Rassistisches auf Facebook: Alltag. Wie oft haben andere oder ich schon Gruppen gemeldet, deren Namen auf Wiederbetätigung schließen lassen. Man bekommt dann eine Nachricht, dem werde nachgegangen und einige Wochen später meist die Verständigung, das verstoße nicht gegen Gemeinschaftsstandards.

Eine rasche Abfrage heute Früh zeigt etwa: da gibt es eine Facebook-Seite namens "Adolf Hitler’s Eagles’s Nest" und da kann auch das Foto eines Hitlergrusses hineingepostet werden. Da gibt es eine Gruppe mit dem Titel "Gegen Flüchtlinge", wo ein Grafiksujet zu sehen ist (Eintrag vom März), auf dem ein Skelett den Stinkefinger zeigt (die auf dem Schädelknochen angebrachten Symbole sind nicht klar erkennbar) und der Slogan dazu lautet "Toleranz heißt nicht, dass wir uns alles gefallen lassen müssen". Wer nach Gruppen mit Varianten von "We hate Zionists" sucht, wird mehrfach fündig. "We hate Israel" ist ebenfalls ein beliebter Titel. Befördert wird da wie dort neben politischer Kritik eben auch Antisemitismus.

Da können die Austria-Hooligans von "Unsterblich", die inzwischen mit Stadionverbot belegt sind, in ihrem FB-Auftritt "Old School Austria Wien – Unsterblich" ungehindert ein Foto mit einem deutlich sichtbaren "88"-Transparent im Hintergrund veröffentlichen (daneben hängt ein "Blood & Honour"-Sujet). Und auch eine Aufnahme aus einem Stadion mit den Schriftbändern "Dresden 1945" und "Unvergessen" wird von Facebook offenbar nicht als Problem gesehen.

Seit Wochen nervt die Plakatkampagne von bet-at-home.com. Zur Fußball-Europameisterschaft hat man sich in Anlehnung an Louis de Funès-Filme ein Sujet einfallen lassen, bei dem durch ein Fernglas die Rückenansicht einer kurvigen Nackten zu sehen ist, mit einer Frisur, die an Brigitte Bardot in ihren Zwanzigern erinnert. Beim Werberat sind inzwischen mehrere Beschwerden eingegangen. Das Sujet wird von vielen als sexistisch eingestuft.

Die Plattform 20.000 Frauen hat nun eine Gegenkampagne gestartet: unter dem Titel "Fake zum Sommerloch" hat sie Sujets mit Männerhintern veröffentlicht (http://zwanzigtausendfrauen.at/2016/06/fake-zum-sommerloch/). Gedruckt wurden Stickers, die nun zum Aufkleben verteilt werden. Ich habe eines dieser Sujets gestern, Donnerstag, am späten Abend abfotografiert und mit dem Kommentar "Gegenkampagne" auf Facebook veröffentlicht. Da war ich eben beim Museumsquartier in die U2 Richtung Seestadt eingestiegen. Es ergab sich gleich eine Diskussion – Umsteigen am Praterstern in die U1 Richtung Leopoldau. Als ich die Station "Vienna International Center" passierte, teilte mir Facebook bereits mit, dass das Foto entfernt wurde und ich damit gegen Gemeinschaftsstandards verstoßen hätte. Nicht einmal 20 Minuten hat es gedauert, bis Facebook da tätig geworden ist. Nicht einmal 20 Minuten.