Tausende Wiener Juden von heute sind entweder selbst in der ehemaligen Sowjetunion geboren oder haben familiäre Wurzeln in einem der Nachfolgestaaten. Eine von ihnen ist die Schriftstellerin Julya Rabinowich, die in St. Petersburg zur Welt kam und seit 1977 in Österreich lebt. Wie viele andere jüdische Familien, entschieden ihre Eltern, aus der Sowjetunion zu flüchten. Ihre Emigration im Kindesalter, das Ankommen in Wien, die zerrissene Jugend hat sie in ihrem Roman Spaltkopf beschrieben, mit dem sie auch ihren Durchbruch als Autorin feierte. Mit Dazwischen: Ich hat sie im Vorjahr ihr erstes Jugendbuch vorgelegt, das sich zu ihrem bisher bestverkauften Werk mauserte: aktuell tourt sie damit im deutschsprachigen Raum und ist dabei auch an vielen Schulen zu Gast.

Dazwischen: Ich erzählt die Geschichte der 15jährigen Madina, die mit ihrer Familie geflüchtet ist. Woher sie genau stammt, definiert Rabinowich nicht, weil es eine universelle Geschichte ist. So wie Madina, die mit ihrer Familie in einer Flüchtlingsunterkunft untergebracht ist, und die nicht weiß, wie es weitergehen wird, denn noch haben die Behörden nicht entschieden, ob sie Asyl zuerkennen oder zumindest subsidiären Schutz, so geht es derzeit vielen Menschen, die sich nach Österreich, nach Deutschland geflüchtet haben.

Rabinowich hat hier ihre eigenen Erfahrungen eingearbeitet, aber nicht nur. Einige Jahre hat sie auch als Simultandolmetscherin in der Betreuung von Geflüchteten gearbeitet. Auch vieles, von dem, was sie dabei hörte, floss in Dazwischen: Ich, ein, ohne, dass sie hier die Geschichte einer bestimmten Familie wiedergeben würde, wie Rabinowich am Montag Wiener Schülerinnen und Schülern bei ihrem Besuch in der Neuen Mittelschule und Fachmittelschule Kinzerplatz in Wien-Floridsdorf verriet.

Zerrissen zwischen zwei Welten

Einige ihrer Zuhörer und Zuhörerinnen wussten, wovon Rabinowich erzählt und wie es der von ihr geschaffenen Figur Madina geht. Da schilderte etwa ein kurdisches Mädchen einer dritten Klasse der Neuen Mittelschule, dessen Eltern vor ihrer Geburt aus dem Grenzgebiet zwischen Irak und der Türkei nach Österreich gelangt sind, wie es ist, dort, im Irak, Familie zu haben und auf Besuch zu sein, sich aber in Österreich mehr zu Hause zu fühlen. Da beschrieben zwei Mädchen der Fachmittelschule in kurzen berührenden Texten, die sie Rabinowich vortrugen und die ihnen darauf Feedback gab, wie ihre Mutter beziehungsweise ihre Eltern noch bevor sie auf die Welt kamen, im Zug der Wirren des Jugoslawien-Kriegs von Bosnien nach Österreich geflüchtet sind.