Carla Amina Baghajati, Mitbegründerin der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, und der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister bei einem muslimisch-jüdischen Dialogtreffen am Sonntag im Palmenhaus der Blumengärten Hirschstetten. - © Alexia Weiss
Carla Amina Baghajati, Mitbegründerin der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, und der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister bei einem muslimisch-jüdischen Dialogtreffen am Sonntag im Palmenhaus der Blumengärten Hirschstetten. - © Alexia Weiss

Ein wunderbarer Sommer geht zu Ende. Die letzte Urlaubsstation vergangene Woche: Venedig. Die historischen Kunstschätze der Stadt sind stark christlich geprägt (viele davon zu sehen im Museum "Gallerie dell’Accademia") – im Ghetto begegnet man dem jüdischen Erbe. Kurios bis befremdlich mutete dann der Blick in die Auslage eines Glashändlers in einem Gässchen hinter dem Markusplatz an: das Geschäft bot ein Schachspiel feil. Die weißen Figuren: Christen. Die schwarzen Figuren: Juden, zumal hart an der antisemitischen Karikatur. Schach ist nur ein Spiel, ja, dennoch: eine verheerende Symbolik. Der Eindruck, der bleibt: hier wird der Krieg der Religionen ausgetragen.

Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Am Donnerstag trafen Vertreter dreier rabbinischer Organisationen – der Europäischen Rabbinerkonferenz (CER), des Rabbinical Council of America (RCA) und des Oberrabbinats Israels – im Rahmen einer Audienz in Rom mit dem Papst zusammen. Zwei Jahre lang hatte zuvor das zu diesem Zweck gebildete Nostra Aetate Response Committee (Nostra Aetate ist das Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils) die Erklärung "Zwischen Jerusalem und Rom" ausgearbeitet, die nun übergeben wurde. Kommissions-Vorsitzender war Arie Folger, der Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien.

Juden und Katholiken heute Partner

Er betonte im Anschluss an das Zusammentreffen mit Papst Franziskus: "Religionsgemeinschaften sind heute einerseits mit drohender Gewalt von Extremisten und andererseits mit wachsendem Unverständnis einer zunehmend religionsfeindlichen Welt konfrontiert. Dabei haben aber die Religionsgemeinschaften historisch wesentlich zum Wohl der Gesellschaft beigetragen. Um den gesellschaftlichen Herausforderungen besser gewachsen zu sein, versuchen wir unsere Partnerschaft und Zusammenarbeit mit den Katholiken zu stärken."

Die Erklärung der Rabbiner, die als Meilenstein in den christlich-jüdischen Beziehungen zu sehen ist, anerkennt und lobt die Bemühungen der katholischen Kirche, Antisemitismus keinen Raum mehr zu geben. Anderen christlichen Kirchen, die diesen Schritt noch nicht vollzogen haben, wird empfohlen, dem Beispiel der katholischen Kirche zu folgen. Klar stellen die Rabbiner, dass es unüberbrückbare theologische Differenzen zwischen Juden und Katholiken gäbe – was aber nicht negativ zu sehen sei. Vielmehr sähen Juden Katholiken heute als Partner, enge Verbündete, Freunde und Brüder im beiderseitigen Einsatz für eine bessere Welt mit Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Sicherheit. Die Rabbiner fordern die katholische Kirche daher auf, künftig gemeinsam noch stärker gegen "die Barbarei unserer Generation" zu kämpfen, "nämlich den radikalen Ableger des Islam, der unsere globale Gesellschaft bedroht und dabei auch nicht vor den vielen moderaten Muslimen Halt macht".