Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Never again! Dieser Kampfspruch hat in so mancher Sonntagsrede seinen Biss, seine Kraft verloren. Wenn etwas zur hohlen Phrase verkommt, dann sollte man zwei Mal überlegen, bevor man es in einer politischen Ansprache nutzt. Als von Weitem sichtbares Graffiti auf einem Flakturm im Augarten hätten die beiden Worte aber nicht treffender sein können: das Relikt aus der NS-Zeit, das nicht entfernt werden kann, verbunden mit einer Botschaft, die als Lehre aus dem Nationalsozialismus zu ziehen ist. Der Nationalsozialismus brachte Krieg und eine bis heute nicht zu begreifende systematische Ermordung und Vertreibung von Menschen, die nichts anderes gemeinsam hatten als ihren jüdischen Glauben beziehungsweise, wenn sie selbst gar nicht mehr religiös waren oder sogar ein anderes Religionsbekenntnis angenommen hatten, ihre jüdischen Wurzeln. Niemals wieder soll so etwas passieren. Weder Juden und Jüdinnen noch anderen Menschen – zumal ja auch andere Gruppen vom Auslöschungswahn der Nationalsozialisten betroffen waren, wie Roma und Sinti, Homosexuelle, politische Gegner, Menschen, die nicht gesund waren.

Der "Never again"-Schriftzug (eine zivilgesellschaftliche Initiative, nachdem es von öffentlicher Seite bisher nicht möglich war, hier eine Gedenktafel anzubringen, die den mächtigen Bau in einen geschichtlichen Kontext stellt) ist seit diesem Wochenende vom Flakturm im Augarten verschwunden - er wurde übermalt. Harald Walser und Uschi Lichtenegger von den Grünen stellten sofort einen Bezug zu einem Erntedankfest der Österreichischen Jungbauernschaft her, das am Wochenende in dem Park in der Leopoldstadt gefeiert und zu dem auch ÖVP-Chef Sebastian Kurz zu einem Wahlkampfauftritt erwartet wurde. Die Bühne sei so aufgebaut worden, dass der Flakturm im Hintergrund zu sehen sei - da wäre der Schriftzug "Never again" wahrscheinlich störend gewesen, hieß es. Die Jungbauernschaft wies die Vorwürfe der Grünen sofort zurück. Man habe nichts übermalen lassen. Wer auch immer schließlich für die Entfernung verantwortlich zeichnete: die Botschaft war sonntags wieder zu lesen. Antifaschisten und Antifaschistinnen hatten mit Unterstützung der grünen Bezirksvorstehung am Wochenende ein Transparent gemalt und am Zaun vor dem Flakturm angebracht.

Die christlich-jüdische Prägung

Dass die ÖVP oder eine mit ihr verbundene Organisation hier die Hände im Spiel gehabt hätte, würde auch nicht zu der von Kurz in letzter Zeit so oft bemühten christlich-jüdisch geprägten europäischen Kultur passen. Andererseits: wie passen hier die antisemitischen Witze und Memes in Online-Gruppen von Vertretern der VP-nahen Studierendenfraktion AktionsGemeinschaft am Juridikum der Universität Wien dazu? Bis heute gab es hier keine transparente Aufklärung darüber, wer von jenen, die sich an den nicht nur antisemitischen, sondern auch rassistischen, frauen- und behindertenfeindlichen Belustigungen beteiligt haben, schließlich als Funktionär oder Mandatar den Hut nehmen musste.