Beschmierungen am Denkmal am Schwedenplatz für sieben Wiener jüdische Kinder, die in Auschwitz ermordet wurden. - © Alexia Weiss
Beschmierungen am Denkmal am Schwedenplatz für sieben Wiener jüdische Kinder, die in Auschwitz ermordet wurden. - © Alexia Weiss

Wie oft der kleine Georgy Halpern wohl in seinem kurzen Leben dort vorüber gegangen ist, wo seit vergangenem Frühjahr am Schwedenplatz das Denkmal steht, das an ihn und weitere sechs Wiener jüdische Kinder erinnert, die in der NS-Zeit vom Kinderheim im französischen Izieu nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden. Denkmale wie diese zeichnen die düsteren Spuren der Stadtgeschichte nach. Wenn sie an Kinder erinnern, ist es doppelt bitter. Sie bieten aber auch die Chance, dass viele Menschen mit diesen Spuren konfrontiert werden. Täglich. Der Schwedenplatz ist ein zentraler Ort der Stadt.

Diese Woche fiel mir auf, dass das Denkmal beschmiert wurde. Nein, es sind keine Hakenkreuze, keine "Juden raus" oder ähnliche Parolen. Der Stein wurde mit Tags versehen, hier hat also jemand seine Unterschrift verewigt und damit diesen Ort markiert, Präsenz gezeigt. Bei allem Verständnis für Jugendkultur, wenn ich solche rasch hingeschmierten Zeichen an einem Denkmal wie diesem sehe, stimmt mich das traurig. Der Urheber mag nichts Antisemitisches im Sinn gehabt haben. Im besten Fall. Da ist eine helle Fläche im öffentlichen Raum und man bringt seine Unterschrift an. Cool ist das aber nicht. Gedankenlos schon eher. Respektlos. Und das, wo die Stadt in unmittelbarer Nähe – entlang des Donaukanals, große Flächen zur Verfügung gestellt hat, auf denen ganz legal gesprayt werden darf.

Antisemitisch oder nicht?

Diese Beschmierungen zeigen aber auch eine andere Problematik auf: Ich persönlich würde dem Urheber eben nicht sofort ein antisemitisches Motiv unterstellen. Bei anderen Menschen kommt es aber vielleicht doch als inhaltlicher Angriff auf das Denkmal an. Das zeigt auf, wie schwierig es ist, klar zu sagen, wann etwas als antisemitisch einzustufen ist und wann nicht.

Vergangenen Mai ist das Shoah-Denkmal von Rachel Whiteread am Judenplatz mit Tags versehen worden. Die Führung der jüdischen Gemeinde betonte damals, auch wenn die Hintergründe dieser Beschmierungen nicht geklärt seien, brauche es ein aktives Auftreten gegen Antisemitismus. Es verursacht eben so ein gewisses unangenehmes Bauchgefühl, wenn gerade ein Denkmal, das an Opfer der NS-Zeit erinnert, beschmiert wird.

Die Stadt ließ die Zeichen sofort entfernen und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny hielt fest, "das Beschmieren des Shoah-Mahnmals auf dem Judenplatz ist auf das Schärfste zu verurteilen. Es ist nicht bloß die Beschädigung eines Objekts im öffentlichen Raum – es ist die Beschädigung unserer Ehre. Selbst wenn das Graffiti lediglich ein Akt der Dummheit und Ignoranz war, so beschämt er die Bürgerinnen und Bürger, die ehrlichen Herzens Verantwortung für die Vergangenheit und Zukunft ihrer Stadt übernehmen. Ein Schriftzug ist schnell entfernt. Die Unentschuldbarkeit bleibt. Es gilt, wachsam und sensibel gegenüber allen Formen und Tendenzen von Antisemitismus in unserer Gesellschaft zu sein".