Weder im einen noch im anderen Fall wird wohl zu klären sein, was die Motivation der Urheber war, sich auf diesen Denkmälern zu verewigen. Andere Hinterlassenschaften im öffentlichen, aber auch virtuellen Raum sind klarer zuzuordnen. Oder auch nicht. Beispiel Hakenkreuze: Man findet sie immer wieder, eingeritzt in Häuserwände, aufgesprayt auf Mistkübel. Wollen die, die sich hier mit dem markanten Zeichen verewigen, die NS-Zeit verherrlichen, hassen sie Juden oder wollen sie schlicht provozieren, weil sie wissen, es ist verboten, Hakenkreuze anzubringen?

Wenn aus "Vorgartenstraße" "Auschwitz" wird

Anders dagegen verhält es sich bei einem Vorkommnis, das diese Woche in der Station Taubstummengasse der Linie U1 dokumentiert wurde: Auf dem Bahnsteig gibt es jeweils Schilder, welche die Stationenabfolge der Linie anzeigen. Bei "Nestroyplatz" wurde der Schriftsteller durchgestrichen und "Juden" danebengeschrieben, bei "Praterstern" der Prater durchgestrichen und ebenfalls durch "Juden" ersetzt, das Wort "Vorgartenstraße" – und nun wird es wirklich unappetitlich – durchgestrichen und daneben "Auschwitz" vermerkt. Positiv ist zu vermerken, dass die "Wiener Linien" diese klar antisemitischen Markierungen sofort entfernen ließen.

Der Umgang der Stadt Wien ist hier insgesamt ein sehr klarer, sehr bestimmter. Und dennoch sind diese Hinterlassenschaften im öffentlichen Raum nicht in den Griff zu bekommen. Wichtig ist, dass jeder hinschaut, dass jeder mithilft. Solche Dinge zu dokumentieren und öffentlich zu machen ist das eine, es an die richtige Stelle zu melden das andere. Im Fall von Antisemitismus ist das das Forum gegen Antisemitismus (FGA). In dem gestern präsentierten Bericht für 2017 wurden übrigens für das Vorjahr 51 Fälle von Vandalismus, unter den solche Beschmierungen fallen, dokumentiert. Das FGA kann aber eben nur dokumentieren, was ihm gemeldet wird.

Empörung ist verständlich, nur Empörung alleine hilft aber nicht weiter. Es müssen alle dafür sorgen, dass solche Dinge rasch wieder aus dem Stadtbild verschwinden und nicht nur jene, die sich hier persönlich betroffen und angegriffen fühlen. Das gilt übrigens nicht nur für Antisemitismus, sondern generell bei Fremdenfeindlichkeit oder Hetze gegen welche Gruppe von Menschen auch immer.