Auf das Leben! Heute Abend beginnt Purim und Purim ist ein fröhliches Fest. Kinder verkleiden sich, Erwachsene kostümieren sich auch, es gibt Hamantaschen zum Naschen, die Stimmung ist beschwingt und so mancher wird heute auch ein Gläschen zu viel trinken. Es wird einer dieser besonderen Abende in der Synagoge sein, wenn die Geschichte von Esther erzählt wird und bei jedem Mal, wenn der Name Hamann fällt, die Ratschen herumgewirbelt werden und für Lärm sorgen, damit der Name Hamann auf alle Zeit ausgelöscht werde.

Doch die Ratschen löschen den Namen nicht aus und auch nicht die Erinnerung daran, was in Persien unter König Achaschwerosch fast passiert wäre: Die Ermordung der Juden. Eigentlich will ich heuer so gar nicht in Purim-Stimmung kommen. Vielleicht, weil das Kind nun schon nicht mehr so klein ist, als dass alleine die Aussicht auf das sich Verkleiden Begeisterung auslöst. Vor allem aber, weil alles rundherum so gar keinen Anlass zum Feiern gibt.

Dass Juden ausgelöscht gehören oder Abschaum sind: Es scheint noch immer in manchen Köpfen zu stecken. Und das auf der ganzen Welt und in verschiedensten Milieus. Das hat nicht zuletzt die vergangene Woche in Wien abgehaltene Konferenz "And End to Antisemitism!" gezeigt. Gefühlt liegt die Tagung allerdings schon wieder Ewigkeiten zurück. Denn es gibt eigentlich keinen Tag, an dem einem nicht neues Ungeheuerliches begegnet.

Hässliche Juden

Der Jugend der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier), die immer wieder vehement gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus eintritt, flatterte dieser Tage unschöne Post ins Haus: "Keine Schönheit währt auf ewig, selbst du wirst alt und schäbig. Nur der Jude ist auserkoren, er wird hässlich schon geboren! Schön sauber bleiben!!!", schrieb ein Unbekannter in Versalien, das Doppel-s in "hässlich" hat er oder sie in Runenform notiert. Solche Post ist etwas, was jüdische Einrichtungen kennen. Hier wird sie aber an eine Gewerkschaft adressiert, die sich gegen Antisemitismus einsetzt. Und damit das einzig richtige tut, um die gesellschaftliche Dynamik des "wir" gegen "die anderen" zu durchbrechen: Sie zeigt Solidarität. Nur wenn nicht selbst Betroffene sich für von Diskriminierung Betroffene einsetzen, wird es langfristig ein Umdenken geben.

Es gibt – und das ist positiv – einige Beispiele, dass die Zivilgesellschaft stärker ist als auf den ersten Blick angenommen. Da wären zum Beispiel die "Omas gegen rechts", gegründet von der evangelischen Pfarrerin Monika Salzer. Mit in der ersten Reihe ist auch die jüdische Journalistin und Autorin Susanne Scholl. Sie haben mit ihren Pussy-hat-inspirierten rot-pink-orangen Hauben und den "Omas gegen rechts"-Buttons die Demonstrationen gegen die Regierung in die Mitte gerückt. Sie treten gegen Sozialabbau, gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen gesellschaftspolitischen Rückschritt ein – und damit für eine Zukunft für nachfolgende Generation. Durch ihre Sichtbarkeit kommt die Botschaft auch medial an. Das Echo ist enorm: Immer mehr ältere (aber auch jüngere Frauen und auch so mancher Mann) österreichweit schließen sich den Omas an.