Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Ein Holocaust-Mahnmal im öffentlichen Raum, das alle Namen der von den Nationalsozialisten ermordeten Jüdinnen und Juden trägt: Das regte der französische Philosoph Bernard-Henry Lévy bei der Eröffnung der Konferenz "An End to Antisemitism!" im Februar in Wien an. Umgehende Reaktion vom Präsidenten des European Jewish Congress, Moshe Kantor: Es solle bitte die FPÖ die Errichtung eines solchen Denkmals finanzieren.

Und damit ist bereits ein Problemfeld eines solchen Vorhabens umrissen: Die FPÖ hat überhaupt kein Problem damit, so ein Denkmal zu errichten. Heute. Hier zeigt sich die Diskrepanz zwischen Innensicht und Außensicht. Denn das war den anwesenden Wiener Jüdinnen und Juden in dem Moment klar, in dem Kantor es ausgesprochen hatte. Mehr noch: So ein Vorschlag kommt den Freiheitlichen gerade recht. Es untermalt die Beteuerungen der FPÖ, gegen Antisemitismus aufzutreten und die Beziehungen zur jüdischen Gemeinde verbessern zu wollen. Nur wischt das den immer noch existierenden Antisemitismus vom Tisch? Mitnichten.

80 Jahrzehnte nach Beginn des nationalsozialistischen Regimes, fällt es allerdings, so scheint es, allgemein leichter, der Toten zu gedenken. Hier gibt es keine Widerstände mehr. Gedenken wir der Ermordeten! Lasst uns gemeinsam das Unglück von damals betrauern!

Morden ist keine Naturkatastrophe

Nur ist dieses Unglück ja nicht wie eine Naturkatastrophe vom Himmel gefallen. Hier wurde gemordet und versucht, das Dahinmetzeln Unschuldiger auch noch durch entsprechende Gesetzgebung zu legitimieren. Einen Unrechtsstaat nennt man ein solches Konstrukt. Die Widerstände, die es in den Jahrzehnten nach 1945 gegen Denkmäler solcher Art gab, haben ihren Ursprung darin, dass sich Täter, dass sich Mitläufer aus der NS-Zeit in die Demokratie hinübergerettet haben, ohne Verantwortung zu übernehmen. Da fühlte sich ein Mantel des Schweigens besser an.

Nun äußert die FPÖ-Führung eben immer wieder, dass sie gegen Antisemitismus eintritt. Bis ein neuer "Einzelfall" diese Bemühungen um Annäherung an die Jüdische Gemeinde in Österreich wieder konterkariert. Über die nun von der FPÖ eingerichtete Historikerkommission zur Aufarbeitung der Parteigeschichte wurde bereits viel geschrieben. Die Besetzung wirft die Frage nach der Ernsthaftigkeit des Unterfangens auf, das Ausklammern des Themas Burschenschaften ebenso. Das riecht nach einer Alibiaktion. Oder wie der Wiener gerne sagt: Nach einer Augenauswischerei.