Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

#IchBinJude: Diesen Hashtag verbreitet dieser Tage der Jüdische Weltkongress in den sozialen Medien. Es ist ein Aufruf zur Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Deutschland und weist darauf hin, dass es bei unserem Nachbarn ein steigendes Antisemitismus-Problem gibt. Das untermalte nicht zuletzt kürzlich der filmisch dokumentierte Angriff auf zwei Kippa-tragende junge Männer in Berlin (von denen einer kein Jude war, die Kippa aber von jüdischen Freunden geschenkt bekommen hatte und später erklärte, er habe trotz Warnungen die Erfahrung machen wollen, wie es sei, mit dieser Kopfbedeckung durch die Stadt zu gehen). Der Angreifer, der einen Gürtel schwang, stellte sich inzwischen selbst der Polizei – er stammt aus Syrien und flüchtete 2015 nach Deutschland.

#JeSuisJuif beziehungsweise #JeSuisJuive hashtagte die Twitter- und Facebook-Gemeinde bereits im Jänner 2015 nach dem Anschlag auf einen koscheren Supermarkt in Paris. Nur, was hat es gebracht? In Frankreich nehmen die antisemitischen Übergriffe zu, zuletzt wurde dieses Jahr erneut eine Frau ermordet, nur weil sie Jüdin ist. In einem Manifest gegen den neuen Antisemitismus forderten dieser Tage 300 Vertreter der französischen Gesellschaft, den Kampf gegen Antisemitismus zu einer nationalen Angelegenheit zu erklären.

Die Frage der Sinnhaftigkeit geht mir auch durch den Kopf, wenn ich lese, dass Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, jüdischen Männern rät, im "großstädtischen Milieu in Deutschland" keine Kippa mehr zu tragen. 2015 hatte er bereits davor gewarnt, in überwiegend von Muslimen bewohnten Vierteln einiger Städte die traditionelle jüdische Kopfbedeckung nicht mehr aufzusetzen. Wo wird dann der Endpunkt sein? Wenn Juden aufhören, sich zu ihrem Judentum zu bekennen?

Keine Zukunft

Ja, Sicherheit hat Vorrang. Und ja, niemand sollte sich zur Zielscheibe machen. Wenn deutsche Juden allerdings 2018 tatsächlich Gefahr laufen, auf der Straße angegriffen zu werden, wenn sie Kippa tragen, dann ist etwas gewaltig schief gelaufen. Und wenn es in Frankreich immer wieder jüdische Mordopfer zu beklagen gibt, dann ist da noch mehr schief gelaufen. Und dann sind wir tatsächlich an dem Punkt angekommen, vor dem Vertreter jüdischer Gemeinden seit Jahren warnen: Dann hat das Judentum in Europa keine Zukunft.