Zusammengeschlagen damals, zusammengeschlagen heute. Erinnerungsspruchband in der Leopoldstadt (Im Werd). - © Alexia Weiss
Zusammengeschlagen damals, zusammengeschlagen heute. Erinnerungsspruchband in der Leopoldstadt (Im Werd). - © Alexia Weiss

Vor 80 Jahren begann in Österreich mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten für Jüdinnen und Juden und alle anderen Verfolgtengruppen die Hölle auf Erden – im Mai 1945 war das Terrorregime besiegt. Daher gibt es jedes Jahr im Mai zahlreiche Erinnerungsfeierlichkeiten - diesen Sonntag (6. Mai) wird in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen etwa die alljährliche Gedenkfeier an die in dem ehemaligen KZ Ermordeten begangen und am 8. Mai am Heldenplatz das "Fest der Freude" gefeiert. Gleichzeitig ist das Phänomen Antisemitismus nicht nur nicht besiegt, sondern im Steigen. Brüche machen sich auf verschiedenen Ebenen bemerkbar.

Organisiert wird der Erinnerungstag in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen vom Mauthausen-Komitee Österreich (MKÖ), der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthause (ÖLM) und dem Comité International de Mauthausen (CIM). FPÖ-Politiker wurden bewusst nicht eingeladen, Willi Mernyi, der Vorsitzende des Mauthausen-Komitees würde deren Erscheinen als erneute Demütigung der Überlebenden sehen, die traditionell an dem Gedenken teilnehmen. Schließlich war es die von der FPÖ unterstützte Zeitschrift Aula, in der befreite Häftlinge als "Landplage" bezeichnet worden waren.

Und so mutet es dann doch merkwürdig an, wenn Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka betont, als Österreicher habe man "die epigenetische Verantwortung, gegen jede Form des Antisemitismus aufzutreten" und einen braunen Bodensatz, den es immer in einer Gesellschaft gebe, nicht aufkommen zu lassen. Die Partei des Nationalratspräsidenten gehört einer Regierung an, die auch aus FPÖ-Vertretern besteht, die nun nicht bei einem offiziellen Gedenkakt erwünscht sind. Wie sieht es hier also nun konkret mit der "epigenetischen Verantwortung" aus?

Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander

Gleichzeitig warnt Sobotka vor importiertem Antisemitismus, "der sehr stark aus der Migrationsbewegung kommt". Und ja, da hat der Nationalratspräsident auch durchaus recht, nur – alter und neuer Antisemitismus greifen ineinander und sind nicht losgelöst voneinander zu sehen.

Wer offenen Auges durch das Karmeliterviertel spaziert, dem fallen nicht nur koschere Geschäfte und Restaurants sowie Menschen auf, die auf Grund ihrer Kleidung als Jüdinnen und Juden erkennbar sind, sondern auch die vielen Steine der Erinnerung, Gedenktafeln an Häusern, Spruchbänder auf Gehsteigen, die an konkrete Verfolgungsszenen erinnern. Ersteres freut, denn man sieht, es gibt wieder jüdisches Leben in Wien. Zweiteres macht betroffen. Doch die Gegenwart trägt immer auch ein Stückchen Vergangenheit in sich. Jüdinnen und Juden leben heute trotz der Schoa wieder in Wien. Und das ist ein kleiner Sieg, trotz allem, trotz der sechs Millionen Toten, die zu beklagen sind. Es gibt eine jüdische Gemeinde in Wien. Eine kleine, aber es gibt sie.