Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Es ist Ramadan. Muslime und Musliminnen fasten untertags, abends nach Sonnenuntergang gibt es eine Mahlzeit, die oft in geselligem Rahmen eingenommen wird – das Fastenbrechen, Iftar genannt. Die Wahrnehmung des Ramadan in den nichtmuslimischen Teilen der Gesellschaft ist oft vorrangig problembeladen. Im Schulalltag können Schüler und Schülerinnen, die weder essen noch trinken, tatsächlich Lehrer und Lehrerinnen vor eine schwierige Aufgabe stellen. Was tun, wenn eine Schülerin im Sportunterricht bei den aktuell hohen Temperaturen dehydriert und zusammenbricht? Wie reagieren, wenn Jugendliche sich schlecht konzentrieren können und das mitten im Endspurt des Schuljahres mit noch zahlreichen Tests und Schularbeiten?

Die dänische Integrationsministerin Inger Stojberg forderte Muslime kürzlich auf, sich im Ramadan Urlaub zu nehmen. Man könne keine 18 Stunden fasten und zugleich beispielsweise sicher einen Bus fahren, meinte sie. Aus Arbeitgebersicht ist das eine auf den ersten Blick durchaus verständliche Position. Aus Sicht einer Integrationsministerin könnte es vielleicht kreativere Lösungen geben. Welche Eltern wollen ihren Jahresurlaub aufbrauchen in einer Zeit, in der die Kinder die Schule besuchen müssen?

Vergangene Woche lud die Muslimische Jugend Österreichs (MJÖ) nicht-muslimische Freunde und Freundinnen zu einem Fastenbrechen. Solche Events fördern einerseits den eigenen Blick über den Tellerrand, schaffen andererseits aber auch mehr Verständnis für das Gegenüber. Es ist etwas anderes, im Vorbeigehen das tägliche Kommen und Gehen nach Sonnenuntergang in der nahe gelegenen Moschee mitzubekommen oder zu einem Iftar eingeladen zu sein. Und es ist noch einmal etwas anderes, wenn man bei muslimischen Freunden auch während des Ramadan zu Besuch ist und sich dann wie bei anderen Einladungen auch über dies und das unterhält, aber eben nicht speziell über die Fastenzeit, oder ob, wie an diesem Abend der MJÖ, eben das Fasten bei diesem Zusammenkommen den Rahmen gibt und damit auch zum Gesprächsthema wird.

Der soziale Aspekt

Was mir dabei auffiel: Der Ramadan strukturiert den Tagesablauf um. Gegessen wird nach Sonnenuntergang und nochmals frühmorgens gegen drei Uhr. Damit ändern sich in dieser Zeit auch die Schlafgewohnheiten. Man stellt sich den Wecker, um zu frühstücken, legt sich dann aber nochmals hin. Vor allem aber wird der Ramadan von jenen, die ihn halten, als sehr gesellig beschrieben. Man lädt ein oder wird eingeladen – das fördert den Zusammenhalt. Und so ist es dem Einzelnen auch wichtig zu fasten, denn auch dadurch ist man Teil der Gruppe. Menschen, die regelmäßig Medikamente nehmen, müssen zum Beispiel nicht fasten, so mancher tut es aber dennoch – man will ja auch Stärke zeigen, dazugehören.