Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Kleine Buben in Uniform waren bei der Al-Quds-Tag-Kundgebung im Vorjahr in Wien zu sehen. "Zionismus ist Faschismus" wurde skandiert. Al-Quds bedeutet auf Arabisch Jerusalem. Der jährliche Aktionstag am letzten Samstag des Ramadan wurde vom Iran ausgerufen – Ziel ist die Befreiung Jerusalems von den Juden. Jahr für Jahr wird in vielen Städten protestiert – auch in Wien.

Über Israelkritik gehen die Märsche durch die Stadt weit hinaus. Experten wie Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) stufen den jährlichen Event als antisemitisch ein. "Diese Demo, bei der antisemitische Parolen und Botschaften üblich sind, ist keine Meinungsäußerung, sondern Hasspropaganda gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger", hielt dazu vergangenes Jahr der Wiener SPÖ-Politiker Peter Florianschütz fest. Und betonte: "Antisemitismus hat in unserer Stadt keinen Platz."

Dennoch wird auch morgen wieder im Rahmen des "Al-Quds-Tages" in Wien protestiert. Die Rahmenbedingungen lassen nichts Gutes erahnen. Einerseits bezeichnete Ali Khameini, der oberste geistliche Führer im Iran, Israel erst vor ein paar Tagen erneut als Krebsgeschwür, das ausgemerzt werden müsse, wie das Bündnis "Stop the Bomb", das gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, dem Republikanischen Club, den Alternativen und Grünen GewerkschafterInnen und der SPÖ-Nationalratsabgeordneten Petra Bayr unter dem Titel "Gemeinsam gegen Antisemitismus! #KeinQudsTag in Wien" zu einer Gegenkundgebung aufruft, diese Woche anprangerte.

Die Bilder aus Gaza

Andererseits wird die aktuelle Situation an der Grenze von Gaza zu Israel stark zur Mobilisierung für diesen Marsch beitragen. Zuletzt wurde eine junge Palästinenserin, sie war freiwillige Sanitäterin, erschossen. Das lässt die Wogen im Netz hochgehen. Die israelischen Streitkräfte bestreiten, gezielt auf die Frau geschossen zu haben. Der Tod von Razan Najjar werde nun untersucht, heißt es.

Fotos, eines davon von Associated Press, zeigen Razan Najjar kurz vor ihrem Tod allerdings mit erhobenen Händen und klar als Angehörige einer Rettungsorganisation gekleidet, wie sie sich einem Verletzten nähert. Das nährt verständlicherweise unter Muslimen weltweit Unmut. Wie Haaretz diese Woche berichtete, gäbe es aber auch ein Video, das Najjar beim Werfen einer Tränengasgranate zeigt. Ein Sprecher der israelischen Armee postete das Video auf Facebook, eingeblendet wird der Text: "Sie ist kein barmherziger Engel. Hamas hat sie als menschlichen Schutzschild missbraucht." Die Beurteilung, was hier tatsächlich passiert ist, fällt aus der Ferne schwer.