Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Die israelische Fluglinie El Al hat seit Jahren damit zu kämpfen: Flüge verspäten sich, weil manche charedischen Männer sich weigern, im Flugzeug neben Frauen zu sitzen und darauf pochen, umgesetzt zu werden. Nun ist dies auch auf einem Austrian Airlines-Flug passiert. Vergangenen Freitag wurden 26 ultraorthodoxe Männer, die eigentlich ein Ticket für die polnische Linie LOT hatten, deren Flug aber gecancelt wurde, in Tel Aviv auf einen AUA-Flug nach Wien umgebucht. Die Cabin Crew hatte dann nach Schilderung der Jewish Telegraphic Agency (JTA) alle Hände voll zu tun: Jene Männer dieser Gruppe, die neben einer Frau Platz nehmen sollten, verweigerten dies. Das aufwändige Umsetzen führte zu einem um 40 Minuten verspäteten Abflug, beim Landen musste eine weitere halbe Stunde im österreichischen Luftraum gewartet werden, da der Flug durch die Verspätung in die Rush Hour geraten war.

In israelischen Medien sind solche Flugverspätungen auf Grund der Weigerung von ultraorthodoxen Männern, sich im Flugzeug neben Frauen zu setzen, immer wieder Thema. Vor einem Jahr entschied ein Gericht, dass es El Al nicht gestattet sei, Frauen zu bitten, sich umzusetzen, weil sich ein charedischer Mann weigere, neben ihnen Platz zu nehmen. Die entsprechende Klage war von einer über 80jährigen Holocaust-Überlebenden eingebracht worden.

Dennoch kommt es immer wieder zu Situationen, in denen die Fluglinie handeln muss, um einen Flug durchführen zu können. Erst diesen Juni gab es eine über einstündige Verspätung eines Fluges von New York nach Israel, weil sich vier Männer geweigert hatten, neben Frauen zu sitzen. Kurz darauf gab die Fluglinie allerdings bekannt, künftig Männer, die eine Platzänderung wünschen, weil sie sonst neben einer Frau säßen, nicht mehr mitfliegen zu lassen.

Für die AUA war die Situation am vergangenen Freitag sicher eine neue. Man wollte so rasch als möglich starten und laut JTA suchte die Crew dann eben nach Freiwilligen, die sich umsetzen ließen. Grundsätzlich wird man sich aber wohl bei allen Fluglinien überlegen müssen, wie man solche Situationen handelt.

Respekt ist keine Einbahnstraße

Ich habe Respekt vor der Ultraorthodoxie – nur wenn es Menschen gibt, die das Judentum entsprechend all seiner Regeln leben, wird das Judentum auch weiterhin fortbestehen. Wenn ich mit einem Mann zusammentreffe, der orthodox lebt, ist es für mich selbstverständlich, ihm als Frau nicht die Hand zu reichen. Ich fühle mich dadurch nicht gekränkt, es entspricht den Usancen. Umgekehrt würde eine orthodoxe Frau meinem Mann nicht die Hand geben. Wenn ich in einem orthodoxen Haushalt eingeladen bin, bringe ich natürlich nichts zu essen mit, das nicht koscher ist. In frommen jüdischen Schulen wird Geschlechtertrennung praktiziert ebenso wie etwa bei ultraorthodoxen Hochzeiten. Es ist allerdings meine Entscheidung, ob ich mein Kind in eine solche Schule schicke oder nicht. Wenn ich bei einer Hochzeit zu Gast bin, halte ich mich an den Modus, den die Gastgeber vorgeben, bei meinen eigenen Festen halte ich es, wie ich es will. Für mich persönlich ist Geschlechtertrennung ein No go.