Es gibt ein paar Eckpfeiler, ohne die ein jüdisches Leben in einem Land nicht möglich ist: Dazu gehört die Brit Mila, die Beschneidung. Und dazu gehört das Schächten – also die Produktion von koscherem Fleisch. Was die Freiheitlichen in den vergangenen Jahren immer wieder mit Kampagnen, die vordergründig mit dem Tierschutz argumentierten, versuchten, was seit Jahren Europa-weit nicht nur diskutiert, sondern teils auch schon in Gesetze gegossen wurde, bahnt sich nun auch offiziell in Österreich an. Die Abteilung Naturschutz des Amts der niederösterreichischen Landesregierung, die auch für den Tierschutz zuständig zeichnet, schlägt neue Richtlinien in Sachen Schächten vor. Einerseits soll damit künftig der Export von koscher geschlachtetem Fleisch verboten sein, andererseits wird der Zugang zu koscherem Fleisch massiv eingeengt.

Wie der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, Oskar Deutsch, Montag Abend im Plenum des Kultusvorstands berichtete, dürften demnach künftig nur mehr Juden und Jüdinnen koscheres Fleisch kaufen, die zuvor namentlich erfasst wurden und wo nachgewiesen werden kann, dass sie immer koscher essen, "denn das Recht der freien Religionsausübung sei nur ein individuelles". Seitens des Amts werde nämlich argumentiert, man wisse, dass es religiöse und nicht so religiöse Juden gäbe. Zum Einen. Zum anderen müsste der Kauf von Fleisch dann wohl namentlich erfolgen – also nur unter Vorlage einer entsprechenden Genehmigung. "Und im Übrigen könne man aus der Statistik Austria ableiten, wie hoch der Fleischkonsum maximal sein könnte", so Deutsch.

Waldhäusl: Schächten wäre aus Sicht des Tierschutzes generell abzulehnen

In der Abteilung für Tierschutz des Amts der niederösterreichischen Landesregierung wurde am Dienstag auf Anfrage der Wiener Zeitung das Bestehen eines solchen Erlass-Entwurfes bestätigt, der Erlass sei aber noch nicht rechtskräftig. Der zuständige Landesrat Gottfried Waldhäusl betonte zudem in einer der Wiener Zeitung übermittelten Stellungnahme: "Aus der Sicht des Tierschutzes wäre Schächten für mich generell abzulehnen." Alles, was gesetzlich möglich sei, um das Schächten einzudämmen, lasse man nun prüfen. "Es ist nicht einzusehen, warum Wiener nach Niederösterreich fahren und hier tausende Tiere schächten lassen. Wir prüfen, ob der Bedarf des Fleisches an den Wohnsitz gekoppelt werden kann. Wir sind in Niederösterreich nicht dazu da, um den Wienern das geschächtete Fleisch zur Verfügung zu stellen", so Waldhäusl.