Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Elf Jüdinnen und Juden wurden in Pittsburgh, USA, von einem antisemitischen Attentäter hingemetzelt. Motiviert wurde die Tat durch seinen Zorn über die jüdische Hilfsorganisation HIAS (Hebrew Immigrant Aid Society), die heute Verfolgten der verschiedensten Ethnien und Religionen unter die Arme greift. Geholfen wird allen, die verfolgt sind, weil sie sind, wer sie sind, benennt HIAS auf ihrer Website ihr Ziel und ihre Motivation. Das stieß dem Mann, der laut Medienberichten der White Supremacy Bewegung nahe stand, auf – er wollte laut Angaben nicht mehr zusehen, wie hier "Invasoren" ins Land geholt würden. Das kostete elf unschuldige Menschen, die nichts anderes taten, als in der Synagoge zu beten, das Leben, und einige mehr wurden verletzt.

Die Tat löste weltweit nicht nur in den jüdischen Gemeinden Entsetzen aus. Auch Politiker aus den verschiedensten Ländern verurteilten die Tat. Umso skurriler mutete es an, welche Diskussion sich in den sozialen Medien in den Tagen nach dem Attentat über Aussagen des aschkenasischen Oberrabbiners Israels, David Lau, entwickelte. Laut Medienberichten soll er gesagt haben, dass es sich bei der Synagoge, in der das Attentat statt fand, um keine Synagoge handle. Das sorgte unter vielen Jüdinnen und Juden für Empörung. Die Tree of Life-Synagoge gehört zum Conservative movement, ist also keine orthodoxe Gemeinde. Dass ein namhafter orthodoxer Rabbiner angesichts einer solchen Tragödie auf diesen Umstand hinweist und sogar einer Synagoge abspricht, Synagoge zu sein, das schien ein Skandal für sich zu sein.

Inzwischen haben sich die Wogen geglättet. Die JTA (Jewish Telegraphic Agency) stellte am Dienstag klar, dass Oberrabbiner Lau der Tree of Life-Synagoge nicht abgesprochen habe, eine Synagoge zu sein. Ganz im Gegenteil, er habe den hebräischen Begriff beit knesset verwendet. Übrig blieb ein Missverständnis, das Übersetzungsfehlern oder überzogenen Interpretationen geschuldet war. Ein Missverständnis allerdings, das zeigt, wie tief die Gräben zwischen orthodoxem und nicht-orthodoxem Judentum verlaufen. Die einen werfen den anderen vor, nicht zeitgemäß zu sein, diese wiederum meinen, alleinige Vertreter des Judentums zu sein beziehungsweise für den Fortbestand des Judentums zu sorgen.

Buch "Faszination Judentum"

Theodor Much, Präsident von Or Chadasch, der liberalen jüdischen Gemeinde in Wien, hat nun mit dem Buch "Faszination Judentum. Grundlagen – Vielfalt – Antijudaismus" (erschienen im LIT Verlag, Präsentation am 8. November um 18.30 Uhr im Jüdischen Museum Wien) ein Sachbuch vorgelegt, das das Judentum in all seinen Facetten schildert. Bei den verschiedensten Aspekten wird sowohl die orthodoxe als auch die liberale Position erörtert, wobei der Autor naturgemäß jeweils für die Reformposition argumentiert. Daraus ergibt sich allerdings nicht nur eine interessante Lektüre, sondern auch jede Menge Stoff für interessante Diskussionen.