Ein junger Mann aus einem der sehr ländlichen Teile des Landes geht in die Stadt, um sein Glück zu versuchen. Sein geliebter und verehrter Großvater sagt: "Du wirst nicht wiederkommen." Nicht im Konjunktiv, im Indikativ. Denn es war immer so. Eine alte Geschichte. Doch auch das Gegenteil ist wahr: Ein paar wenige kehren wieder zurück, und nicht etwa, weil sie in der Stadt gescheitert wären. Dieser junge Mann tut es, mit Frau und Kind, und mehr noch: Er wird Bauer wie sein Großvater.

Er lebt zwar weiter hauptsächlich vom Schreiben, aber was ihn beseelt und worüber er nun zu schreiben anfängt, ist das Leben auf dem Lande, das er eben jetzt lebt. Dessen absolute Steigerungsstufe ist erreicht, als er beschließt, auf die altertümlichste denkbare Weise ein ganzes Jahr nicht nur zuzubringen, sondern buchstäblich zu überleben: als Jäger und Sammler. So heißt denn auch das Buch, das wir in Händen halten (John Lewis-Stempel: Mein Jahr als Jäger und Sammler. Was es wirklich heißt, von der Natur zu leben. Aus dem Englischen von Sofia Blind. DuMont Verlag, Köln 2019, 351 S.).

Nimmt man das ernst, ist es gar nicht leicht, sondern im Gegenteil ein ganz schön wildes Unterfangen, wie jeder gleich einsieht, der auch nur so ein bisschen auf dem Lande lebt. So wird, was zunächst wie eine Art Sachbuch daherkommt, bald zu einem nervenzerfetzenden Abenteuerroman: Wird er der Versuchung erliegen und aus dem Kühlschrank eine Wurst entwenden? Wird die Zubereitung des XY-Krauts oder des YX-Vogels in etwas Genießbares münden? - Denn die restliche Familie lebt ganz normal "heutig" weiter, während der pater familias durchs Gebüsch hirscht und versucht, eine Taube oder ein Kaninchen zu erlegen, und das unter penibler Einhaltung geltender Naturschutzbestimmungen...

In einem späteren Band beschreibt derselbe Autor ein Jahr lang Tag für Tag ein Stück Wald, das er gepachtet hat (J.L.S.: Im Wald. Mein Jahr im Cockshutt Wood. Übers. von Sofia Blind. DuMont Verlag, Köln, 2020. 284 S.). Mehr beschaulich als spannend, eine zugleich obsessiv und träumerisch-poetisch daherkommende Naturbetrachtung.

Ein anderer junger Mann beschließt, in ganz schlechten Zeiten die berühmte weltweit längste Eisenbahnfahrt zu unternehmen und eine Reportage darüber zu schreiben (Andreas Wenderoth: Mit Ach und Krach nach Wladiwostok. Transsibirische Reise. Picus Verlag, Wien 1999, 137 S.). In der Tat, das glaubt man dem Autor gleich einmal, sind die letzten Jelzin-Zeiten furchtbar. Doch wann hat es in Russland je gute Zeiten gegeben?

Ganz und gar und ausschließlich heutig und überhaupt eines der besten in dieser Saison der besonders guten Bücher ist eines, dessen Autor in dieser Zeitung bereits ausführlich interviewt wurde (Jonathan Coe: Middle England, Roman. Übers. von Dieter Fuchs und Cathrin Hornung. Folio Verlag, Wien und Bozen 2020, 477 S.). Deshalb ergeht hier nur der dringende Hinweis: Bitte unter allen, selbst den widrigsten Umständen lesen!