Literatur im Jazzkeller: die "Wortspiele" zu Gast im Wiener Porgy&Bess . . . - © WZ Online / Gerald Schmickl
Literatur im Jazzkeller: die "Wortspiele" zu Gast im Wiener Porgy&Bess . . . - © WZ Online / Gerald Schmickl

Zurück aus den Höhen der Literatur-Live-Stadt Köln – und hinab in die Niederungen des Wiener Literaturlebens. Wobei der Abstieg in diesem Fall ganz wertfrei und unmetaphorisch gemeint ist, da man im Porgy&Bess einfach zwei Stiegen hinunter muss, bevor man den schönen Saal des ansonsten dem Jazz und Soul vorbehaltenen Musikclubs in der Riemergasse betritt. Der hat am Donnerstag (und Freitag) bereits zum achten Mal seine Pforten dem Literaturfestival "Wortspiele" geöffnet, dem Wiener Ableger der gleichnamigen Münchner Veranstaltung (die dort bereits Anfang März in etwas größerem Umfang stattfand).

Es ist ein Forum für hauptsächlich junge Autoren und ihre jeweiligen Neuerscheinungen. Dass aus manchen Eleven eines Tages wirklich etwas wird, zeigen die Beispiele von Daniel Kehlmann, Arno Geiger und Clemens J. Setz, die in vergangenen Jahren zu Gast waren und "wortgespielt" haben.
Wenn man aus den chronisch vollen Sälen der Lit.Cologne kommt, muss man sich an die schüttere Besetzung bei einer Wiener Literaturveranstaltung erst wieder gewöhnen, obwohl am Donnerstag im Laufe des Abends immerhin mehr als ein Drittel der Plätze belegt waren. Dass es nicht mehr wurden, schrieb man dem Wetter(sturz) zu . . . (In Köln würde auch ein Blizzard niemanden vom Besuch einer Lesung abhalten).


Links
http://www.festival-wortspiele.eu
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Immerhin dürfen die "Wortspiele" etwas kosten (nämlich 7 Euro Eintritt), und widersetzen sich damit dem fast durchgängigen Gratisangebot sonstiger Wiener Literaturveranstaltungen. Was nichts kostet, ist aber auch nichts wert. Oder würde jemand in Wien auf die Idee kommen, Theater, Konzerte oder Ausstellungen gratis anzubieten? Das passiert nur bei der Literatur – und ist, neben vielen anderen Faktoren, ein Grund für deren minderen (Live-)Status in dieser Stadt, und paradoxerweise auch für das generell schwache Publikumsinteresse.

Bei den "Wortspielen" lesen die Autoren maximal 20 Minuten, und auch das kann einem bei manchen schon lange vorkommen . . . Bei anderen hingegen ist die Zeit zu kurz, vergeht wie im Fluge – oder, wie im Fall von Michal Hvorecky, wie auf einem Schnellboot. Der aus Bratislava gebürtige Autor, der sehr gut deutsch spricht und liest (die Übersetzung seiner Bücher nimmt der Autor Michael Stavaric vor), las einen spannenden, flotten  und skurrilen Auszug aus seinem jüngsten Roman, "Tod auf der Donau", der irrwitzigen Geschichte einer Kreuzfahrt mit achtzig US-Senioren von Regensburg bis ans Schwarze Meer. Dafür erhielt Hvorecky an diesem Abend auch den Publikumspreis, der aus einer Lesung im Internetportal "Zehnseiten.de" besteht. Hvorecky hat den Preis vor drei Jahren schon einmal gewonnen, aber kurioserweise erst kürzlich eingelöst. Weshalb er – ein verschmitzter Typ vom Schlage eines Radek Knapp oder Wladimir Kaminer (nicht nur wegen seiner osteuropäischen Herkunft) – meinte, dass man nun wohl wieder drei Jahre warten müsse, bis er seine Online-Lesung vornehme… (Nicht so lange dauert es bis zu seiner nächsten Live-Lesung, denn Michael Hvorecky tritt am 26. April in der Wiener Buchhandlung "tiempo nuevo" auf, und spricht mit meinem Kollegen Hermann Schlösser über sein neues Buch.)