Zwei Dinge hat er am Ende seiner Lesung verraten, der slowakische Autor Michal Hvorecky (36), der am Donnerstag (26. April) in der Wiener Buchhandlung tiempo nuevo auftrat.

Erstens war er selbst einmal auf solch einem Schiff beschäftigt, das er in seinem neuen Roman, "Tod auf der Donau" (das Buch wurde im extra besprochen), beschreibt, auf welchem sich rund hundert US-Touristen während einer Kreuzfahrt auf der Donau von Regensburg bis ans Schwarze Meer befinden.

Zweitens hat er die Schiffspassagiere – so wie sein Alter Ego im Roman, der Reiseleiter Martin Roy – mitunter glatt belogen. So hat er ihnen etwa die Burg in Bratislava als Sitz von Dracula verkauft – und die Amis haben gruselnd gestaunt. (Im Roman bekommen sie noch ganz andere Lügen buchstäblich serviert.) Der Unterschied zwischen der Slowakei und Rumänien war ihnen nicht wirklich vertraut. Aber, auch ein durchschnittlicher Mitteleuropäer, meinte Hvorecky,  würde sich in Minnesota oder Wisconsin wohl kaum genauer auskennen . . .

Trotzdem nimmt der Roman die – bis auf zwei Ausnahmen – ziemlich vertrottelten Senioren satirisch aufs Korn, womit sich die Erzählung aber nicht erschöpft, denn sie ist auch noch ein kulturhistorischer Donau-Essay (auf den Spuren von Claudio Magris) und beinhaltet eine Liebesgeschichte und eine Krimihandlung, die aber nicht aufgelöst wird, sondern vom Leser selbst ermittelt werden muss.

All das erfuhr man in einer knappen Stunde, mit Leseprobe und Autorengespräch, wobei der Moderator, mein "extra"-Kollege Hermann Schlösser, nicht viel zu tun bekam, da Michal Hvorecky ein höchst beredter und auskunftsfreudiger Interpret seiner selbst ist, und zwar in nahezu makellosem Deutsch, was ihm viel Lob und die Frage des anwesenden Autors Dietmar Grieser eintrug, warum er nicht gleich auf Deutsch schreibe. (Der Roman wurde von Hvoreckys Freund und Kollegen, dem aus Brünn stammenden Autor Michael Stavaric, übersetzt). Das traue er sich denn noch nicht zu, gab der in Bratislava lebende (und gelegentlich in anderen Berufen, wie Übersetzer oder eben Schiffstour-Manager tätige) Schriftsteller durchaus glaubwürdig und unkokett zur Antwort.

So wie wohl einst auf dem Schiff, fungierte Hvorecky auch an diesem Abend als sympathischer und kompetenter Reiseführer, in diesem Fall durch sein eigenes Werk: Er erklärte Verbindungen, Routen, Zusammenhänge, Motivationen, versteckte Anspielungen – und ließ noch so viel offen, dass bei den rund 40 Besuchern Lust auf Lektüre aufkam.

Es kommt nicht so oft vor, dass ein Autor derart überzeugend und animierend für sein eigenes Buch zu werben imstande ist. Hvorecky ist – darin seinen osteuropäischen Kollegen Radek Knapp und Wladimir Kaminer nicht unähnlich – ein verschmitzter, gewitzter Charmeur, der genau weiß, dass es mit dem Schreiben von Romanen und Erzählungen alleine heutzutage nicht getan ist, sie müssen auch persönlich "verkauft", präsentiert und unterhaltsam dargestellt werden. Und das kann dieser Autor auf so exemplarische wie gewinnende Weise. Damit wird er – im Gegensatz zu seinem Romanpersonal, so viel sei verraten – sicher keinen Schiffbruch erleiden.