Diese Liebe Bohrers zu England mussten später vor allem die Deutschen büßen, denen er in Artikelserien (etwa im "Merkur") "Provinzialismus" auf nahezu allen Gebieten vorwarf. Dieses "German bashing" sieht Bohrer heute selbstkritisch: Es war, meint er rückblickend, mehr Ausfluss eines gekränkten Narzissmus‘ und Patriotismus‘ als einer Neigung zur Häme: "Mich schmerzte das coole Selbstbewusstsein der Engländer – und ich wollte, dass die Deutschen auch so sind bzw. werden." Dass dem mentalitätsgeschichtliche Differenzen wie zeithistorische Erfahrungen im Wege standen und stehen, sieht er heute klarer als damals.

Wenn das jetzige Buch keine Autobiografie sei, ob dann noch eine solche komme, wollte Philipp Felsch zum Abschluss wissen. Bohrer schüttelte den Kopf, nein, eher könne er sich – nun eingeübt im Narrativen – eine "Story" vorstellen, denn wie man ja wisse, sei jegliches fiktionale Schreiben tief autobiografisch befeuert und gelenkt.

Mit diesem Ausblick stand er auf und schritt zum Signieren seiner Bücher, was dem emeritierten Herrn Professor dann doch wieder eher unangenehm schien.