Fußball und Lyrik haben nicht nur insofern miteinander zu tun, als beide Dinge, Fußball schauen und Gedichte lesen, bekanntlich die schönste Nebensache der Welt sind. Es gibt überdies ganz großartige Fußballgedichte (etwa von Ludwig Harig).

Und auch die wahren Dramen spielen sich in der Lyrik wie beim Fußball nicht ganz oben ab, sondern in den unteren Ligen. Im Falle der Poesie heißt das: in den unzähligen kleinen Lyrikverlagen, die so etwas wie die Basis des Dichtens bilden. Nur wenige Poeten schaffen es in die Klubs der exquisiten ersten Liga, also in die wenigen größeren Verlage wie Suhrkamp oder Hanser, die sich überhaupt noch für das Gedicht interessieren. Die kleine Form, so scheint es, ist auch eine der Kleinverlage.

Zu den Dramen, die so manchen Lyriker dort ereilen, gehört etwa der plötzliche Tod des Verlegers, der gleichzeitig das Ende des Verlags bedeutet. Dieses Schicksal widerfuhr der Wienerin Christl Greller. 2016 erlitt Dietmar Ehrenreich, Begründer des Resistenz-Verlags, einen Herzinfarkt, und seither ist ihr Lyrikband "stadtseelenland" nur noch über die Autorin selbst zu beziehen (www.greller.at). Darin finden sich ausgesprochen hübsche Gedichte über Wien, vor allem aber über das Land, etwa über verschlafene Nester wie Nestelberg: "wie / einen haiku schreiben über / ein dorf, das ein haiku / ist?" Nun, man schreibt eben keinen Haiku, sondern ein wunderbar schlichtes und deshalb umso eindringlicheres Gedicht über diese "fünf höfe, hopfenumrankt. / die steilen wiesen voll heu. / nie gehörte stille. nur der brunnen / fließt über, klingt". Greller ist eine feine Beobachterin der Außenwelt. "im zeitlupenblau", "andachtsgrün", "im rotgold der lider" - die Farben der Welt werden zu "komplementärfarben" der Poesie.

Plötzlich ohne Verleger stand 2015 auch der Passauer Dichter Friedrich Hirschl da; sein fast fertiges Manuskript von "Stilles Theater" - immerhin bereits sein siebter Lyrikband - konnte nicht mehr wie gewohnt im Verlag Karl Stutz erscheinen, sondern musste sich eine neue Heimat suchen. Nun hat sich die rührige edition lichtung (für Bayer- und Böhmerwald ein wahrer Segen) seiner Gedichte angenommen - die wie stets viel weißen Raum um sich herum versammeln und oft nur wie Tupfer inmitten der Stille wirken.