Die Band heute: Arnold de Boer, Terrie Hessels, Andy Moor,     

Katherina Bornefeld  (von links nach rechts)  - © ex.nl
Die Band heute: Arnold de Boer, Terrie Hessels, Andy Moor,     
Katherina Bornefeld  (von links nach rechts)  - © ex.nl

Viele Musikformationen, allen voran Rock- und Popbands, sind meist von kurzer Lebensdauer. Kaum hat eine Erfolg, ist sie auch schon wieder weg oder geht in Solo-Künsten auf. Das war früher nicht viel anders als heute. Bands, die über Dekaden hinweg bestehen, sind hingegen etwas Besonderes, auch wenn sie das intime Zusammenleben nur selten in der kompletten Originalbesetzung überstehen.

Die niederländische Band The Ex hat das Kunststück geschafft, bereits vier Jahrzehnte zu bestehen. Doch nicht nur das! Die Gruppe ist ein gutes Beispiel dafür, dass Bands auch nach vielen Dekaden noch, fernab eines Abklatsches ihrer selbst, frische, einfallsreiche Musik schaffen können.


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Website The Ex 
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Die Combo hat seit ihrem Gründungsjahr jedenfalls nichts von ihrer Energie, ihrer Spontaneität und Freiheit eingebüßt. Was als Punk-Band begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem unverwechselbaren Sound, einem Mix aus Experiment, Minimalismus und Wiederholung: Jeder Musiker spielt eher einfache Muster, die Komplexität kommt durch Interaktionen – mit dem galoppierenden Schlagwerk von Katherina Bornefeld etwa, den tiefen Saitenklängen von Andy Moors Baritongitarre, dem kraftvollen wie speziellen Gitarrenschlag- und Zupfwerk von Terrie Hessels oder dem frechen Gesang von Arnold De Boer. Bass braucht es keinen, drei Gitarren reichen.

The Ex live in Amsterdam, 2017. - © Guido van Nispen, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62488519
The Ex live in Amsterdam, 2017. - © Guido van Nispen, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62488519

Musik aus aller Welt

Wesentlich für ihre charakteristische Musik sind bis heute auch die verschiedensten musikalischen Einflüsse, die auch vor scheinbar musikalisch inkompatiblen Richtungen, wie etwa die Musik der kongolesischen Likembé-Band Konono N°1, nicht zurückschreckt.
Neben ihren vielen Musik-Reisen, darunter Äthiopien (man höre Ihre Zusammenarbeit mit Getachew Mekuria oder Mohammed Jimmy Mohammed), ist auch ihr Sinn für das Kollektive geblieben.

Die lange Liste an Kooperationen  zeigt dies und sie beinhaltet u.a. die kurdische Gruppe Awara, den Saz-Spieler Brader, die US-Bands Tortoise und Sonic Youth, Jazzmusiker wie Mats Gustafsson, Ken Vandermark oder aus dem Umfeld von Han Bennink und Misha Mengelberg. Es überrascht daher kaum, dass The Ex mittlerweile zu Festivals, die sich auch neueren musikalischen Zugängen verschrieben haben, häufig eingeladen werden.

Es geht auch ohne Songs

Bekanntheit hatte die Band Ende der 1970er Jahre übrigens bereits viele Monate, bevor sie überhaupt nur eine Note spielten, erlangt. Nämlich über die vielen Graffiti, welche die vier Freunde an Wänden und Mauern hinterließen. Damit es schnell geht, wurde ein Bandname gewählt, der so kurz wie möglich war.

Dieser entstand im Ausschlussverfahren, erinnert sich Jos Kley, rund drei Jahrzehnte Sänger der Band, zum Jubiläum auf Facebook. Mit einem X strich er die Namen durch, die nicht gefielen. An dem Punkt angelangt, an dem er glaubte, er werde nie einen passenden Namen finden, fiel ihm das X auf, mit dem er die unliebsamen Kandidaten durchstrich. Er versah es - ganz im Stile der Punk-Bands der damaligen Zeit, noch mit dem bestimmten Artikel und - fertig war "The Ex". Dann musste noch, wie es sich eben für Punks damals so gehörte, ein eigener Name her. Aus Jos Kley wurde, in Anlehnung an Socken, G.W.Sok (Geiten Wollen Sok).

Die vielen Graffiti von The Ex zeigten auch bald Wirkung. Im April 1979 fixierten sie ihren ersten Gig für den 31. August im Club De Bakkerij in Castricum. Und dazwischen blieb genug Zeit zum Dichten. Es gab nämlich noch keine Songs und – ebenfalls nicht unwesentlich für eine Band – auch noch keine Instrumente.

Folgt man Soks Erzählung weiter, entschieden Strohhalme, wer sich künftig auf welchem Instrument austoben konnte. Im darauffolgenden Jahr erschien ihre erste Platte "Disturbing Domestic Peace", insgesamt gibt es bis heute 13 Studioalben. Daneben sind The Ex auch auf vielen Tonträgern mit anderen Musikern und Bands erschienen, darunter Scrabbling at the Lock (1991) mit dem Cellisten Tom Cora.

Von der Ursprungsformation übrig geblieben ist Terrie Hessels, fünf Jahre nach der Gründung kam Katherina Bornefeld als neue Schlagzeugerin zur Band. Auch sie ist bis heute dabei. Gitarrist Andy Moore folgte Anfang der 1990er Jahre, während Sänger Sok sich 2008 von der Band verabschiedete und von Arnold de Boer, der zuvor bereits mit seiner Band Zea mit The Ex unterwegs gewesen war, ersetzt wurde.

Top Ten

Übrigens: Österreich steht bei The Ex weit oben auf der Liste der meistbesuchten Länder (außerhalb der Niederlande) der Welt. 39 Mal waren sie bis 2018 hier zu Gast, sie rangieren damit auf Platz 9, hinter Kanada (40) und vor Äthiopien (29). Am häufigsten spielten sie in Frankreich (302), gefolgt von Deutschland (158) und den USA (150). Wels und Manchester liegen in der Hitliste der meistbesuchten Städte mit 14 Konzerten gleichauf, führt Paris mit 41 die Liste an.