In italienischen Medien wurde in den letzten Jahren kräftig über den gesundheitlichen Zustand von Franco Battiato gerätselt. Der sizilianische Musiker war nach einem Sturz vor zwei Jahren in seinem Haus in Milo nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Ein Gedicht eines befreundeten Sängers mit dem Text "Ode dem Freund der war / und mich nicht mehr erkennt" sorgte bei Battiatos Familie und engstem Freundeskreis für Empörung. Gerüchte über eine Alzheimer-Erkrankung machten die Runde. Freunde wie etwa die Sängerin Alice widersprachen, dem Künstler gehe es nach dem Beckenbruch entsprechend gut.

Nun erscheint, nachdem im Frühjahr berichtet wurde, dass der Maestro sich schon ans Klavier setzten könne und einen neuen Song komponieren würde, eine neue CD. "Torneremo ancora" wird allerdings das letzte musikalische Werk des Sizilianers sein, gab sein Manager bei einer Pressekonferenz vor wenigen Tagen bekannt. Es werde kein weiteres mehr geben.

Neu ist allerdings bei dieser allerletzten Platte nicht viel. Nur ein Song war unbekannt. Battiato hatte ihn vor einigen Jahren für Andrea Bocelli geschrieben und eine Gesangsspur aufgenommen. Diese wurde nun ohne Mitwirkung des Künstlers vom Royal Philharmonic Concert Orchestra um die musikalische Basis erweitert. Die anderen Lieder stammen alle von Proben und einem Auftritt im Jahr 2017 mit dem britischen Orchester.

Mit "Torneremo ancora" ist die letzte Platte von Franco Battiato erschienen. - © Sony Legacy
Mit "Torneremo ancora" ist die letzte Platte von Franco Battiato erschienen. - © Sony Legacy

Battiato selbst hat sich die Aufnahmen in seinem Haus angehört, berichtete nun sein Toningenieur. In einem Video sieht man Battiato im Gespräch mit seinen Mitarbeitern. Klar ist, dass der Musiker in der Öffentlichkeit nicht mehr auftritt. Sein Manager Francesco Cattini sieht auch keine Chance auf weitere Platten: Es gebe kein Material, dass man veröffentlichen könne. So bleibt dieses allerletzte Lebenszeichen, mit einem melancholischen Foto des Strandes von Grado am Cover.

Durchbruch zu Beginn der 80er Jahre

Populär wurde Battiatos Musik in den 80er Jahren. Dabei schafften es etliche seiner Platten, in die Charts zu gelangen. Zunächst hatte sich sein Album "Patriots" 1980 nur 40.000 Mal verkauft, doch sollten sich etliche der Songs der Platte als Dauerbrenner erweisen.

Up Patriots to Arms

Mit "La voce del padrone" war er nicht nur 13 Monate in den Charts, sondern erklomm auch die Spitze derselben. Die von New Wave und E-Musik durchtränkten Melodien gepaart mit Texten voller Anspielungen und Zitaten trafen den Geschmack der Zeit. Etwa im Song "Bandiera bianca", wo sich The Doors, Bob Dylan und Theodor Adorno wiederfinden

Bandiera bianca

Hitlieferant für Alice, Milva und Co.

Gleichzeitig wurden seine Songs auch durch andere Künstler populär. Alice gewann etwa mit dem gemeinsam mit Battiato und Giusto Pio geschriebenem "Per Elisa" 1981 das Festival von Sanremo.

Per Elisa

Danach nahm die Sängerin sogar mit "Gioielli rubati" ("Gestohlene Juwelen", so der ironische Titel) noch eine ganze Platte mit Battiato-Songs auf. Ein weiterer Erfolgstitel im deutschsprachigem Raum ist ebenfalls unter Mitwirkung von Battiato entstanden:
Una notte speciale

Die leider viel zu früh verstorbene Giuni Russo hatte 1982 mit Battiatos "Un estate al mare" einen großen Sommerhit.

Un estate al mare

Und schließlich wäre da noch Milva. Die Zusammenarbeit zwischen ihr und Battiato hatte etliche Alben zur Folge, darunter auch das letzte Studio-Album der Künstlerin. Am bekanntesten ist der Song "Alexanderplatz".

Alexanderplatz

Und auch in den letzten Jahrzehnten fanden sich genug Künstler, die aus Battiatos Werk schöpften. Tiziano Ferro, Adriano Celentano und mit Prezioso feat. Marvin griff sogar die Dance-Szene munter zu.

Facciamo finta che sia vero

Zahlreiche Evergreens

Battiatos Musik hat den Vorzug, nicht zu altern. Sein zu Beginn der 90er Jahre geschriebener Song "Povera patria" ("Arme Heimat"), der sich gegen Mafia, Terrorismus und korrupte Politiker richtet, ist aktueller denn je. Gleiches gilt für "L'esodo" ("Fluchtwelle") aus dem Jahr 1982 mit prophetischen Zeilen wie "In den heißen Gassen wird die Temperatur steigen, Menschenmengen, Menschenmengen, man hat noch nie so lange und so große Menschenschlangen gesehen."

Povera patria

Voglio vederti danzare

L'esodo

Summer on a Solitary Beach 2016

Chanson egocentrique