Aus, vorbei. Das Jahr 1970 zog einen Schlussstrich unter dem fröhlichen Beat der 60er Jahre. Das war spätestens mit der Trennung der Beatles am 10. April 1970 klar. Schon davor hatte sich das US-amerikanische Duo Simon & Garfunkel getrennt, nachdem es mit "Bridge Over Troubled Water" das letzte gemeinsame Studio-Album veröffentlicht hatte. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Im September und Oktober des gleichen Jahres starben mit Jimi Hendrix und Janis Joplin zwei der Aushängeschilder der Woodstock-Generation.

Jimi Hendrix - Voodoo Child (Slight Return)

In den internationalen Hitparaden wurden die Ereignisse nachvollzogen. Janis Joplin hatte 1971 ihren posthumen Hit, Jimi Hendrix bereits 1970. "Voodoo Child (Slight Return)", eigentlich aus dem Jahr 1968, wurde von der Plattenfirma nach dem Tod des Gitarristen als Single herausgebracht und bildete den einzigen Nummer-1-Hit von Hendrix in Großbritannien.

The Beatles - Let It Be

Das Ende der Beatles wurde in den Charts abgefeiert. "Let It Be" konnte die Hitparaden-Spitze in vielen Ländern wie Österreich, Australien, den USA und Kanada erobern, nur im Heimatland Großbritannien blieb die Nummer 1 versagt. Eine weitere, fast genauso erfolgreiche Single war "The Long and Winding Road", der letzte Nummer-1-Hit der Beatles in den USA.

Simon & Garfunkel - El Cóndor Pasa (If I Could)

Die künstlerische Zusammenarbeit von Simon & Garfunkel wurde ebenfalls 1970 beendet. Die beiden Musiker konnten einfach nicht mehr miteinander, dem letzten Studioalbum "Bridge Over Troubled Water" sollten keine weitere mehr folgen, obwohl die beiden Musiker im Laufe der Jahre immer wieder für Konzerte zusammenkamen. Mit "El Cóndor Pasa (If I Could)", einem Song des Peruaners Daniel Alomía Robles aus dem Jahr 1913, dem Paul Simon englische Lyrics beisteuerte, waren sie besonders in Europa erfolgreich.

Bob Dylan - Wigwam

Ein weiterer Großer der 60er Jahre gab sich 1970 besonders kryptisch. Mit dem Album "Self Portrait", das viele Cover-Versionen enthielt, verwirrte Bob Dylan seine Fans. Und zu allem Überdruss war seine Erfolgssingle des Jahres so, wie es sich kaum jemand erwartet hatte, nämlich rein instrumental. Ein sprachloser Dylan, zumindest einen Song lang.

The Kinks - Lola

Ihren letzten großen Hit konnte 1970 eine weitere britische Band feiern: The Kinks kamen mit "Lola" nicht nur in die Hitparaden diverser Länder, sie haben damit auch einen Longseller geschaffen, der bis heute im Radio gespielt wird.

Mungo Jerry - In The Summertime

Den Sommerhit schlechthin hatte - Überraschung - ebernfalls eine Band von der Insel. Mungo Jerry um Frontmann Ray Dorset besang mit "In The Summertime" erfolgreich den Sommer - und macht es seit damals Jahr für Jahr bis heute.

Edwin Starr - War

Ganz so idyllisch war das Jahr allerdings nicht. Edwin Starr brachte es mit dem Song "War" auf den Punkt. Der Vietnam-Krieg hatte die Öffentlichkeit medial längst erreicht, nun folgte die musikalische Abarbeitung, die noch jahrzehntelang andauern sollte.

Crosby, Stills, Nash & Young - Ohio

In den USA gab es 1970 Studentenproteste und gewaltsames Vorgehen der Sicherheitskräfte. Beim Kent-State-Massaker am 4. Mai 1970 wurden vier Studenten von der Nationalgarde erschossen. Die Supergruppe Crosby, Stills, Nash & Young sang daraufhin den von Neil Young geschriebenen Song, der auch den damaligen Präsidenten Nixon für das Geschehen mitverantwortlich macht.

The Temptations - Ball of Confusion (That's What the World Is Today)

Aus dem Hause Motown ist man eher Soulballaden fürs Herz gewohnt, doch es gibt auch andere Inhalte, über die gesungen wurde. Die Temptations haben mit "Ball Of Confusion" all die Argumente angesprochen, die auch heute noch von Belang sind: Diskriminierung, Krieg und Arbeitslosigkeit. Die Erwähnung von Hippies und Beatles gibt dem Song ein wenig Zeitkolorit.

Melanie - Lay Down (Candles in The Rain)

Woodstock-Feeling versprühte Melanie. In Zusammenarbeit mit den Edwin Hawkins Singers ("Oh Happy Day") verarbeitet sie mit "Lay Down (Candles in The Rain)" ihren Woodstock-Auftritt im Jahr 1969. Mit diesem Song gelang ihr der Durchbruch in den USA. Melanie, Joan Baez und Janis Joplin bildeten übrigen die einzigen weiblichen Frant-Acts beim Hippie-Event im Bundesstaat New York.

Norman Greenbaum - Spirit In The Sky

Ein typischer Vertreter der Kategorie One-Hit-Wonder war Norman Greenbaum. Der US-Amerikaner hatte zunächst bei der psychedelischen Rock-Gruppe Dr. West's Medicine Show and Junk Band gewirkt, ehe er solo den Durchbruch schaffte. "Spirit In The Sky" war sein persönlicher Gospel-Song, angeblich in knapp einer Viertelstunde geschrieben.

Joe Cocker - The Letter

Die Welt schien 1970 für Joe Cocker noch in Ordnung. Mit seinem furiosen Auftritt beim Woodstock-Festival hatte er auf sich aufmerksam gemacht, und die Eroberung des US-Marktes war schon teilweise geglückt. Doch eine Tournee, die sein Manager noch für das Frühjahr 1970 gebucht hatte, brachte den Briten an den Rand des körperlichen Zusammenbruchs. Eine von Leon Russell zusammengestellte Star-Band mit u.a. Jim Keltner, Rita Coolidge, Jim Price und Carl Radle begleitete Cocker bei der Mad Dogs & Englishmen-Tournee, aus der ein Doppel-Album und ein Film hervorgingen. Die Single des Albums, "The Letter", war Cockers erster Top-Ten-Hit in den USA.

Johnny Cash - Sunday Mornin' Comin' Down

Das Jahr 1970 brachte für Johnny Cash nicht nur die Geburt seines einzigen Sohnes, sondern auch einen Nummer-1-Country-Hit mit einer netten Story. Angeblich soll Kris Kristofferson mit einem Helikopter im Garten von Johnny Cash gelandet sein und in einer Hand eine Flasche Bier und in der anderen die Songaufnahme gehabt haben. Cash hat den Song dann auch in jener "Columbo"-Folge gesungen, in der er die Hauptrolle spielte.