50 Jahre Austropop - oder doch nicht? Im Allgemeinen brauchen Bewegungen und historische Zeitabschnitte eine Geburtsstunde, etwa einen Fenstersturz, einen Hüftschwung oder eine medienwirksam inszenierte Drahtdurchschneidung. Beim Austropop ist es "Wie a Glock’n", Marianne Mendts Dialekt-Song, der im Herbst 1970 herauskam. Die Bezeichnung "Austropop" dürfte allerdings erst einige Jahre später en vogue geworden sein, wie mittlerweile auch in diversen Diplomarbeiten festgestellt wurde.
Und sogar die Schreibweise des Begriffs hat sich verändert: Zunächst entweder ohne oder mit Bindestrich "Austro Pop" bzw. "Austro-Pop" genannt, bevorzugt man derzeit die zusammengeschriebene Variante "Austropop".

Die Hochblüte erlebte diese musikalische Richtung in den 70er Jahren. Hauptmerkmal war allerdings schlicht nur die Herkunft der Pop-Musik - ob im Dialekt gesungen wurde oder in englischer Sprache, war nicht relevant. Es haftete einfach ein ideelles "Made in Austria"-Zeichen - das ebenfalls in den 70er Jahren entstanden ist - daran. Dank Ö3 und Gerd Bacher gab es jedoch eine klare Abgrenzung - Schlager waren im Gegensatz zur Volksmusik tabu. Folglich zählen weder Peter Alexander noch Udo Jürgens zum Austropop, Attwenger oder Hubert von Goisern aber schon.

Waterloo And Robinson - Hollywood - 1974

Die großen österreichischen Helden der 70er Jahre waren zwei Burschen aus Oberösterreich: Hans Kreuzmayr und Josef Krassnitzer alias Waterloo & Robinson schafften nicht nur Hits, die heute keiner mehr kennt ("Baby Blue", ein Cover des Songs der George Baker Selection - bekannt auch durch "Paloma Blanca"), sondern führten auch erfolgreich die Postkarten-Hitparade von Ö3 ad absurdum, die folgedessen abgeschafft wurde. Der größte Hit neben dem ESC-Song "My Little World" hieß schlicht "Hollywood" und stammte aus der Feder von Christian Kolonovits.

Wolfgang Ambros - Da Hofa - 1972

Vorurteile und Intoleranz waren auch 1972 ein Thema. Aus der Feder von Joesi Prokopetz stammt der erste große Hit von Wolfgang Ambros. "Da Hofa" klingt auch heute noch frisch und unverbraucht, obwohl Ambros den Song im direkten Vergleich mit internationalen Hits, die damals im Radio gespielt wurden, als "erbärmlich klingend" bezeichnete. Bis zum Beginn der 80er Jahre wurde Wolfgang Ambros aber nicht als Austro-Popper sondern als Vertreter der sogenannten "Wiener Liedermacherschule" gesehen.

Worried Men - I bin a Weh - 1975

Die Vertreter des Austropop schafften es, allgemein gültige Wahrheiten unter das Volk zu bringen. Die Worried Men Skiffle Group konnte seit den 60er Jahren mit kritisch-ironischen Liedern auf sich aufmerksam machen. Der Song "I bin a Weh" stammt aus der Feder von Johannes Hausner, der nicht nur als Manager von Wolfgang Ambros und Opus tätig war, sondern auch etliche Austro-Pop-Hymnen wie "I drah zua", "A Mensch möcht i bleibn" oder "Zwickt's mi" (mit-)geschrieben hat. Hausner starb 1991 bei einem Autounfall.

Kurt Sowinetz - Alle Menschen San Ma Zwider - 1972

Nicht nur Musiker prägten den Austropop, auch Künstler verschiedenster Gattungen waren mit dabei. Schauspieler Kurt Sowinetz nahm etwa Beethovens Neunter das Pathos und verpasste ihr stattdessen wienerische Lebensweisheit. Beethoven für Grantler souzusagen.

Misthaufen - Schabernack - 1974

Die Band Misthaufen hat sich vor allem durch ihr Pop-Musical "Schabernack" zumindest eine Erwähnung in der österreichischen Musikgeschichte verdient. Die Band um den späteren Stadtfest-Erfinder und Metropol-Gründer Alf Krauliz trat mit ihrem Stück 1976 in der Arena auf. Das Ende ihrer Vorführung sollte dann der Beginn der Arena-Besetzung werden.

Schmetterlinge - Luminal City - 1975

Und wenn wir schon beim Thema Arena sind, es waren die Teilnehmer des "Anti-Schleifer-Fests" am Naschmarkt, die sich nach der Veranstaltung zur Arena begaben, um die Besetzung mitzustarten. Beim Ereignis am Naschmarkt traten die Schmetterlinge auf, die auch ein wesentlicher Bestandteil der Arena-Besetzung waren. Die Band konnte aber nicht nur Polit-Kabarett und schwülstige ESC-Parodie, sondern auch klassisch-kritischen Songwriter-Pop.

Goldie Ens - Goodbye Joe - 1974

Wie auch noch heute ist der ORF ausschlaggebend für viele Musikerkarrieren. Ob Peter Cornelius, Wilfried oder Christina Stürmer, die erste Chance kam durch die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt. Das Sprungbrett für die Steirerin hieß "Show-Chance".

Wilfried - Ziwui Ziwui - 1974

Ebenfalls durch die "Show-Chance" bekannt wurde Wilfried Scheutz. Der Bad Goiserner hatte davor schon in einigen Bands mitgewirkt und trat 1972 mit einem gemeinsam mit Thomas Spitzer geschriebenen Song auf ("Komm Bruder, geh' mit mir") . Der Durchbruch kam mit "Mary oh Mary", unvergesslich ist aber sein "Ziwui ziwui" aus dem Jahr 1974.

Georg Danzer - Des kann do no ned ollas gwesn sein - 1975

Als Mitglied von "Austria 3" hat Georg Danzer auch in seiner letzten Lebensphase ein junges Publikum für sich gewinnen können. In den 70er Jahren hatte er mit "Jö schau" seinen ersten großen Hit, doch wenn man sich sein gesamtes Oeuvre ansieht, merkt man schnell, dass "des no ned ollas gwesen" sein kann. Und tatsächlich fällt es schwer, Danzer an einem Lied festzumachen. Sein Song aus dem 1975er Album "Ollas Leiwaund" wurde auch für den ersten "Kottan" als Soundtrack verwendet.

Arik Brauer - Köpferl im Sand - 1971

Und zum Abschluss des ersten Rückblicks ein weiterer Künstler, der auch im Austropop reüssierte. Der Maler Arik Brauer sang nicht nur gegen Bauwahn (das Thema Bodenversiegelung ist ja für manche Politiker ach so neu), sondern auch gegen kollektive Dummheit und Emphatielosigkeit an.

Von Heller bis Maron - noch mehr Austropop-Hits der 70er Jahre in der nächsten Folge.