Der Austropop der Siebziger Jahre war natürlich mehr als nur Wolfgang Ambros und Georg Danzer. Neben klassischen Liedermachern wie Sigi Maron wagten sich auch Künstler aus den verschiedensten Sparten an der musikalischen Ausdrucksform: Maler, Schauspieler und Dichter ließen es sich nicht nehmen, Spuren in der österreichischen Musikgeschichte zu hinterlassen.

André Heller - Die wahren Abenteuer sind im Kopf - 1975

Einer von ihnen war André Heller, der vielen jungen Österreichern zunächst als eine der Stimmen des 1967 auf Sendung gegangenen Radiosenders Ö3 bekannt war. Doch Heller schaffte es in Windeseile zu dem zu werden, was er bis heute geblieben ist: ein Universalkünstler. Als Sänger wurde er in den 70er Jahren populär, zunächst mit dem Hermann-Leopoldi-Cover "Schnucki, Ach Schnucki", später mit "Die wahren Abenteuer sind im Kopf".

Ludwig Hirsch - I lieg am Ruckn - 1979

Als 1979 die Spät-Disco-Ära die letzten Spuren in der Hitparade hinterließ, entdeckte Österreich einen Liedermacher, der den wienerischen Hang zum Morbiden wie kein Zweiter auslebte. Mit seiner bereits 1978 erscheinenen LP "Dunkelgraue Lieder" kletterte Ludwig Hirsch 1979 die Hitparade hoch, im Radio ließ er mit den ersten Worten eines Lieds die Zuschauer erstarren: "I lieg am Rucken und stier mit offene Augen in die Finsternis". Wohlig warm wurde da niemandem um's Herz. Dass auch andere Lieder für die österreichische Seele nicht gerade angenehm waren, sei es ein Song über das Begräbnis der Omama am Stammersdorfer Friedhof oder einer über den "netten, etwas schrulligen" Herrn Haslinger, verstärkte den Eindruck und den Erfolg der Platte.

Ray & Mick - Oho Vorarlberg - 1974

Dass der Austropop keine rein Wiener Angelegenheit war, hatten schon früh Künstler aus der Steiermark, dem Burgenland und Oberösterreich deutlich gemacht. Doch die rot-weiß-rote Musikwelle schaffte es bis ganz nach Westen. Ray & Mick nannte sich ein Duo, das wohl viele Österreicher eher unter den Namen Reinhold Bilgeri und Michael Köhlmeier kennen. Ja, der "Rockprofessor", wie Bilgeri in den 80ern gern genannt wurde, und der Dichter musizierten so schön, dass sie auch bei der "Show-Chance" 1974 den ersten Platz erzielten.

Peter Cornelius - Hampelmann - 1974

Ebenfalls ein "Kind" der "Show-Chance" war Peter Cornelius. 1973 konnte er mit dem LIed "Die Wolk'n" gewinnen. Ein Jahr später fühlte er sich schon wie "a Hampelmann", eher er sich 1975 gar wie "a Kugel in an Flipper" empfand. Die Unsicherheit schwand dann mit den großen Erfolgen in den 80er Jahren.

Milestones - Falter im Wind - 1972

In den Anfangsjahren des Austropop waren die Milestones die österreichische Popband. Sie durften nach Marianne Mendt zum Song Contest und hatten mit "Falter im Wind" einen respektablen Hit. Mit dabei waren auch der junge Christian Kolonovits und Beatrix Neundlinger, die - genauso wie Günther Grosslercher -  später zu den Schmetterlingen wechselte.

Heinrich Walcher - Gummizwerg - 1972

Auch Heinrich Walcher schaffte durch die "Show-Chance" den Sprung in die Austropop-Szene. Der singende Maler konnte 1972 mit "Gummizwerg" für Aufsehen sorgen. Das Thema des Songs sorgte für Diskussionen, auch beim ORF. Über "Koks" und "Gras" zu singen, war zehn Jahre, bevor Falco nonchalant in "Der Kommissar" vom "Schnee, auf dem alle talwärts fahren" sang, äußerst mutig.

Ganymed - It Takes Me Higher - 1978

Austropop goes Disco: Die Band Ganymed sorgte Ende der 70er Jahre für Furore. Die bis auf die Sängerin Yvonne Dory verkleideten Musiker brachten den Space-Disco-Sound in die österreichischen Wohnungen. Der große Hit hieß "It Takes Me Higher" und brachte die Wiener Band auch international ins Geschäft. Zu Beginn der 80er dockte kurzfristig noch ein gewisser Hans Hölzel als Bassist an der Gruppe an.

Supermax - Lovemachine - 1977

Noch weitaus bekannter war aber Kurt Hauenstein alias Supermax. Dem Wiener gelang 1977 mit "Lovemachine" ein Disco-Hit, der nicht nur in Europa in die Charts kam. Seine musikalischen Sporen verdiente er sich bei der Band Gypsy Love mit Karl Ratzer, Peter Wolf und Jano Stojka sowie dem Sänger George Dogette. Die große Karriere begann dann in Deutschland, als Hauenstein den Produzenten Peter Hauke traf.

Eela Craig - Kyrie - 1978

Mehr Austrorock als Austropop: Die Linzer Band Eela Craig, 1970 gegründet, erhielt mit ihrem Prog-Rock regen Zuspruch. Ihr Konzept-Album "Missa Universalis" ist zeitlos geblieben und wurde heuer im Brucknerhaus wieder aufgeführt.

Marianne Mendt - Komm, alter Piano-Spieler - 1974

Marianne Mendt war in den 70er Jahren nicht nur durch Hits wie "Musik" oder "Wie a Glock’n" bekannt, 1974 hatte sie mit dem von Georg Danzer getexteten Song "Komm, alter Piano-Spieler" jede Menge Airplay in den heimischen Radiostationen. Gut, so viele waren es nicht, war das Privatradio damals  gesetzlich ja noch gar nicht erlaubt. Doch sowohl Ö3 als auch die Regionalradios spielten den ruhigen, stimmigen Song, der Mendt wie angegossen passte.

Musyl & Joseppa - Ein Freund ging nach Amerika - 1973

Nicht auf Georg Danzer als Texter griffen Musyl & Joseppa zurück, sondern auf Peter Rosegger. Das Gedicht des steirischen Heimatdichters wurde von Musyl kongenial vertont und von Joseppa wunderbar interpretiert. Noch heute klingt der Song erstaunlich frisch.

Sigi Maron - Ballade Von Ana Hoatn Wochn - 1978

Und zum Abschluss der vor einigen Jahren verstorbene Sigi Maron. Als klassischer Liedermacher oder - wie es in den 70er Jahren so gerne hieß - Protestsänger nahm sich Maron kein Blatt vor den Mund. Frei von der Leber weg sang er über den Alltag und demaskierte Verhaltensweisen, die man in den 70er und 80er Jahren als normal ansah. Themen gab es auch damals mehr als genug: AKW Zwentendorf, Aufrüstung und viele andere Missstände.