Der Begriff Glam Rock lässt bis heute Musikkritiker erschaudern. Zu Beginn der 70er Jahre hüpften Burschen in bunten, glitzernden Anzügen auf den Bühnen der Popwelt umher und wollten äußerst cool wirken. Zu Hilfe nahmen sie nicht nur Kajal-Stifte und Glitzerpuder, sondern auch überdimensionale Ringe und Ketten sowie - falls vorhanden - Brustbehaarung. Wer erinnert sich nicht an Alvin Stardust, Slade, Sweet oder den in den letzten Jahrzehnten wegen Kindesmissbrauchs in die Schlagzeilen geratenen Gary Glitter? Dass im Glam Rock auch Pop- und Stil-Ikonen wie David Bowie oder Bryan Ferry mitwirkten, wird oft vergessen - genauso, wie es zu dieser musikalisch-optischen Revolution kam.

Der Auslöser dieser Bewegung war ein 1,65 cm großer Londoner, der seit den 60er Jahren mit einer Band namens Tyrannosaurus Rex leidenschaftlich über Kröten, Affen und Einhörner sang - Marc Bolan. Der Brite hatte genug von Jeans und entrückter Lagerfeuermusik, poetisch psychadelischer Folk-Rock genannt, und wollte endlich die Musik spielen, mit der er aufgewachsen war: und die war simpler, astreiner Rock'n'Roll. Den Griff zur elektrischen Gitarre hatte er schon 1969 gewagt und 1970 mit der Single "Ride a White Swan" einen Vorgeschmack auf die folgende Veränderung gebeben. Weg von langatmigen Wortkaskaden (bestes Beispiel der Plattentitel "My People Were Fair and Had Sky in Their Hair... But Now They're Content to Wear Stars on Their Brows") und komplizierten Texten, stattdessen einfache, einprägsame Titel ("Hot Love") und ein ebensolcher Bandname (T. Rex).

Ride a White Swan

Mit der Single "Hot Love" schaffte es Bolan dann 1971 an die Spitze der britischen Charts und ließ damit die Trauer um die Auflösung der Beatles vergessen. Plötzlich hatten die britischen Teenies einen neuen Superstar. Einen, der schon Jahre davor der Meinung war, dass er genauso gut wie die Beatles, Bob Dylan oder The Who war, wie er in einem Interview betonte.

Hot Love

Mit einem Auftritt bei den "Top of the Pops" legte er dann den Grundstein für den Glam Rock. Gold-Glitzer-Tränen waren unter seinen Augen. Wer die Idee dazu hatte, ist umstritten. Die meisten Quellen verweisen auf die PR-Lady Chelita Secunda, andere auf seine damalige Frau June. Bolan selbst, dem es nie an Ego mangelte, ließ in einem Interview glauben, es sei seine eigene Idee gewesen.

Danach überschlugen sich die Ereignisse, und Marc Bolan war plötzlich im Scheinwerferlicht. Die Arbeiten an seiner zweiten Langspielplatte unter dem Bandnamen "T. Rex" fanden zwischen Auftritten in aller Welt statt. In New York schrieb er die ersten Songs für "Electric Warrior", darunter "Jeepster" und "Monolith". Wenig später nahm er dann im Wally Heider Studio in Hollywood seine nächste Single auf, die er kurz zuvor in einem Hotelzimmer seinem Schlagzeuger vorspielte. "Get It On" sollte der nächste Nummer-1-Hit des Londoners werden.

Get It On

Nach der Rückkehr nach London wurden die Aufnahmen im Trident-Studio vervollständigt. Streich- und Bläsersätze sowie Background-Gesang wurden hinzugefügt und prominente Kollegen (etwa Ian McDonald/King Crimson oder Rick Wakeman) wurden dazubestellt, um einige wenige Akkorde aufzunehmen. Produzent Tony Visconti wusste, dass sie imn Begriffe waren, den Durchbruch mit einer erfolgreichen Platte zu schaffen: "Es war echte Ekstase im Studio", erinnerte er sich in einem Interview an die damaligen Aufnahmen. "Get It On" konnte im Juli 1971 innerhalb weniger Wochen die Chartsspitze in Großbritannien erobern, später auch in den USA zumindest in die Top-Ten der Billboard-Charts klettern.

Jeepster

Im September 1971 folgte mit "Electric Warrior" die Langspielplatte, die ebenfalls die Spitze der Charts erklomm. Die "T.Rextasy" hatte endgültig Großbritannien ergriffen. Marc Bolan wurde umschwärmt und nutzte die Gunst der Stunde. Unter der Regie von Ringo Starr entstand der Film "Born To Boogie" (u.a. mit einem jungen Elton John), der den Kultstatus noch verstärkte. Und mit der folgenden Platte "The Slider" und weiteren Hits hatte Bolan seinen Namen endgültig in die Pop-Historie eingeschrieben. Freilich mit einem tragischen Ende nur wenige Jahre später in einem Mini. Mehr über Marc Bolan berichtet Kollege Bernhard Torsch im Artikel "Glam-Star mit Hits & Federboa".

Cosmic Dancer