Die Zukunft begann am Wochenende in Wels, wo im Alten Schlachthof das dreitägige Festival music unlimited, zum 36. Mal vom Kulturverein Waschaecht veranstaltet, stattfand. Kuratiert wurde es heuer von der in Norwegen lebenden österreichischen Musikerin Agnes Hvizdalek. Unter dem Titel "The Future starts now" lud sie rund 40 MusikerInnen ein, die entweder solo oder in Formationen auftraten.

Hvizdaleks musikalischer Schwerpunkt liegt im Gesang, an den drei Abenden war daher wenig überraschend ebenfalls die Gesangeskunst im Mittelpunkt – unter anderem mit Sofia Jernberg, die mit einem vergleichsweise kurzen, dafür aber eindrucksvollen Auftritt samt herrlicher Klänge glänzte. Hinzu kamen ihre Experimente mit Obertönen oder Polyphonie und verschiedenste Geräusche wie Gluckern, Gurgeln, Pfeifen oder Kreischen oder Krächzen. Auch der Gesang und die ausgefallenen Flüstertöne der schwedischen Sängerin Maja Ratkje – oftmals laut verzerrt - waren als Teil des bekannten norwegischen Quartetts Spunk, das seit 1995 zusammenspielt, raumfüllend und nachhallend.

Anders nachhallend war wiederum der Auftritt von Witch Club Satan, ebenfalls aus Norwegen, die den Festivalsamstag musikalisch beendeten. Glaubt man den Aussagen der drei Neo-Feministinnen, so übt das Trio erst seit Anfang des Jahres an seinen Instrumenten, was auch deutlich zu hören war, wenngleich Riffs und Schlagwerk ohnehin sehr einfach gestrickt waren. Raffiniert war am ehesten noch das selbstgebaute Metall-Instrument für verstärkten und verzerrten Geigenbogen, zumindest vom Design her. Das Gewicht der drei Hexen lag aber ohnehin weniger auf Musik denn auf Inszenierung: Durch Hexentrachten, Peitsche, Blut spucken oder düsteres Bühnenbild vermochte vor allem die Theatralik das Publikum begeistern. manche nannten es Selbstermächtigung. Metall war auch am Vorabend beim letzten Konzert des Tages des Trios Yawn angesagt, nur wurde er in seine Teile dekonstruiert und gebrochen, gerade immer dann, wenn sich vor der Bühne unentwegtes Headbangen einstellen wollte.

Ein wesentliches Merkmal des Festivals war heuer der hohe Anteil an jungen Künstlerinnen, wie etwa das fulminante Saxophonduo Hanne De Backer und Signe Emmeluth oder das Ensemble für Neue Musik aus Norwegen, Tøyen Fil og Klafferi, das bei ihrem unterhaltsamen Auftritt zeitgenössische Kompositionen spielte. Humor kam auch bei Jalalu-Kalvert Nelson, dem "afrikanischen Cowboy aus Oklahoma, der in der Schweiz verloren ging", nicht zu kurz. Er spielte mit dem feinen, eigens für das Festival zusammengestellte Streichquartett 4Strings, eigene Kompositionen und improvisierte dazu und erzählte viel.

Alles in allem erfrischte das Festival mit vielen neuen Gesichtern, aber auch in Wels bereits bekannte Musikerinnen, wie Lisa Ullén etwa, waren zu Gast. Die in Stockholm lebende Pianistin und Komponistin war bereits zweimal in Wels zu hören, heuer brachte sie mit ihren vielen melancholischen Klängen, treibenden Legati und gedämpften Tasten das präparierte Piano zum Klingen, das mal wie eine Harfen, dann wieder wie ein Cembalo klang. Überzeugend auch die schöne Nachmittagsperformance der Wienerin Künstlerin und Musikerin Billy Roiz, die einen Auszug ihrer Videoarbeiten samt Live-Musik sowie einen neuen, an schönen Bildern reichen Experimentalfilm mit nach Wels brachte.

Die 36. Ausgabe des unlimited-Festivals wurde jedenfalls ihrem Anspruch, ein "Hörfest der Freude" anzubieten, das auch aufwühlt und zu Diskussionen reibt, in diesem Jahr einmal mehr mehr als gerecht.