Reggae, bei diesem Wort denkt jeder an Jamaika, Rasta und Bob Marley. Und Fans fügen dann noch Peter Tosh & Jimmy Cliff hinzu. Die wenigsten denken dabei an Johnny Nash. Ja, sie haben richtig gelesen: Johnny Nash. Der aus Texas stammende Musiker, der am 19. August seinen 76. Geburtstag feiert, ist in den letzten Monaten in verschiedenen britischen Medien genannt worden. Zum 35. Todestag von Bob Marley wurde an den Auftritt des Jamaikaners im Jahr 1972 in einer Schule erinnert. Nash hatte sich von einem Lehrer überreden lassen, ein akustisches Konzert für Schüler zu geben, und hatte seinen Freund und Gitarristen Bob Marley mitgenommen. Es handelte sich dabei um einen verzweifelten Versuch, die damalige Single von Nash, "Stir It Up", populär zu machen.

Nash hatte sich Mitte der 60er Jahre der Reggae-Musik verschrieben, nachdem er kurzfristig nach Jamaika gezogen war und dort die Band The Wailers gehört hatte. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Danny Sims, der vor dem FBI nach Jamaika geflohen war, nahm er die Band für die gemeinsame Plattenfirma JODA Records unter Vertrag. The Wailers fungierten dann auch als Begleitmusiker für einige Nash-Platten. Zu Beginn der 70er Jahre nahm er den damals unbekannten Bob Marley mit nach Europa.

Schon davor hatte Nash mit Songs aus den Jamaika-Sessions Erfolg. "Hold Me Tight" und "You Got Soul" wurden genauso Top Ten-Hits wie die Adaption des Sam Cooke-Hits "Cupid". Während die amerikanischen Radio-Stationen mit seiner Musik Probleme hatten, da sie nicht ins Klangschema der Format-Radios passte, lief es für den US-Amerikaner in Europa deutlich besser. In Schweden durfte er gemeinsam mit Marley den Soundtrack zu einem Film schreiben und darin auch mitspielen. Für Marley war der kalte schwedische Winter eine schreckliche Erfahrung.

1972 schaffte Nash dann mit Marleys "Stir It Up" zwar nicht den Sprung in die Top Ten, der Song wurde aber so populär, dass Marley & The Wailers einen Plattenvertrag bei Islands Records bekamen und den Sprung zur Weltkarriere schafften. Nash hatte im gleichen Jahr seinen größten Hit: "I Can See Clearly Now" landete in vielen Ländern auf den vordersten Plätzen der Hitparade und in den USA sogar ganz an der Spitze.

Nash blieb seinem Stil weiterhin treu und konnte noch einige weitere Erfolge landen, sogar in Österreich. Mit "Rock Me Baby" hatte er 1985 einen großen Hit. Doch danach wurde es um den Künstler still. In einem seltenen Interview in den 90er Jahren betonte Nash, seine größte Leistung sei es gewesen, die Musik-Karriere zu überleben. An die Öffentlichkeit tritt Nash nicht mehr, obwohl sein Hit "I Can See Clearly Now" zum Pop-Klassiker geworden ist und überall dort gespielt wird, wo Hoffnung und Mut gebraucht wird – etwa bei TV-Spots von Banken, Wahlkampfauftritten der Demokraten oder als Therapiemusik für an Depressionen leidenden Menschen.