Walgesänge, Meeresrauschen, Astralklänge oder Klangschalen: Schon lange eignet sich esoterische Musik die unterschiedlichsten Klänge an, um sie im Zuge von versprochener Selbstheilung oder  Meditation zu vermarkten. Und auch aus den Sphären der Physik wird geschröpft, wie etwa die Prinzipien der Heilung durch Radionik verheißen.

Das Mysterium besteht im Wesentlichen in der Annahme, dass der menschliche Organismus auf Radiowellen, Träger modulierter "Heilinformationen", reagiert. Dazu werden Patienten schwachen elektromagnetischen Feldern ausgesetzt, deren Schwingungen im Energiefeld eine Resonanz verursachen, die dazu führten, dass der Selbstheilungsprozess angeregt wird.

Der britische Soundkünstler Daniel Wilson benutzt diese Pseudowissenschaft nun für seine eigenen Experimente. So nimmt er sich der Arbeit des Alternativmediziners George de la Warr an, der in den 1950er und 1960er Jahren unter anderem diese umstrittenen Frequenz-Therapien durchführte. Sein  Radionikgerät war mit einer kleinen Platte ausgestattet, damit Patienten einen Finger darauf reiben konnten. Blieb dieser plötzlich kleben oder spürte man eine Störung, so wurde an den Drehreglern nach der Frequenz gesucht.

Wilson verwendet diese hörbaren Ergebnisse allerdings als Material für seine Kompositionen, wodurch man auf seinem aktuellen Tonträger "Radionics Radio - An Album of Musical Radionic Thought Frequencies" in diese wissenschaftlich nicht belegten Heilmethode hineinhören kann.  Zum einen gibt das Album die Klänge aus dem Multi-Wellen-Oszillator aus Warrs Labor, zum anderen aus eigenen Experimenten, die Wilson im Rahmen seines Radio-Experiments gesammelt und verändert hat.

Er rief die Hörer seines Internet-Radio-Projekts dazu auf, den Online-Oszillator mit Gedanken zu füttern. Diese wurden dann mittels Reibepad, Regler und einer Speichertaste in Frequenzen übersetzt. Das Ergebnis ist ein musikalisch durchaus interessantes Album, vor allem wegen seiner großen Bandbreite an Rhythmen und elektronischen Mikrotönen und Drones. Allerdings bleibt der  Nachgeschmack einer Huldigung der Quacksalberei.