"Images", die englischsprachige Platte von Lucio Battisti erschien 1977. - © RCA
"Images", die englischsprachige Platte von Lucio Battisti erschien 1977. - © RCA

Pathetisch klangen die Erklärungen, die Adriano Celentano und Mitstreiter Gianni Bella Ende der 90er Jahre zu dem Song "L’arcobaleno" (Der Regenbogen) der Öffentlichkeit abgaben. Der kürzlich verstorbene Lucio Battisti sei erschienen und habe sie auch mit Hilfe eines Mediums genötigt, dieses Lied zu schreiben und zu singen. "L’arcobaleno" sei das letzte Lied von Battisti, so die Künstler. Das mediale Interesse für die Platte aus dem Jenseits war enorm, Celentanos CD verkaufte sich über zwei Millionen Mal..

Auch heute, 15 Jahre nach seinem Tod, hat Lucio Battisti nichts an seinem Stellenwert für die italienische Musikwelt verloren. Die Ausstrahlung, die von seinen Songs ausgeht, ist ungebrochen. Heute, am 5. März, wäre der Sänger 70 Jahre alt geworden. Trotz zahlreicher Artikel, Bücher und TV-Sendungen ist Lucio Battisti, Italiens Pop-König der 60er und 70er Jahre, bis heute ein mysteriöser Künstler geblieben. Schon zu Lebzeiten hatte er sich von der Öffentlichkeit zurückgezogen und weder Interviews noch Konzerte gegeben.

Eine einzige Tournee mit zehn Auftritten absolvierte er zu Beginn der 70er Jahre, danach präsentierte sich der Künstler nur mehr – bis auf wenige TV-Auftritte – auf Platte. Bis zu seinem allzu frühen Tod kamen regelmäßig Arbeiten des Künstlers heraus, zuletzt hatte er sich dem Elektro-Pop verschrieben. Seine Witwe hat alle Versuche, aus dem Nachlass Songs zu veröffentlichen, mit juristischen Mitteln verhindert. Das Oeuvre hat sich somit seit dem 9. September 1998 nicht verändert.

Die Songs von Battisti haben Generationen geprägt. Der Künstler hatte mit Mogol auch einen kongenialen Partner, der für die meisten Texte verantwortlich war. Noch heute klingen die Songs, die u.a. von den Unsicherheiten des modernen Mannes zwischen Machismus und Emanzipation handeln, aktuell.

International hatte es der Künstler schwer. Ein englischsprachiges Album ("Images") floppte, ein Angebot des Beatles-Management, seine Betreuung außerhalb Italiens wahrzunehmen, lehnte er wegen der finanziellen Forderungen ab.

Trotzdem haben einige wenige Künstler seine Songs für sich entdeckt. Tanita Tikaram sang in den 90ern die englischsprachige Fassung von "E penso a te" ("And I Think Of You"), David Bowie übersetzte 1974  "Io vorrei, non vorrei, ma se vuoi" für seinen Freund und Musiker Mick Ronson auf Englisch ("Music Is Lethal") und mit "(If Paradise Is) Half as Nice" ("Il paradiso") hatten Amen Corner einen Nummer eins-Hit in Großbritannien.

Auch in deutscher Sprache versuchte sich Battisti. Im Herbst 1973 fuhr er nach Hamburg, um die deutschsprachige Version seiner Erfolgs-LP "Il mio canto libero" aufzunehmen. Die Platte nannte sich "Unser freies Lied" und die Texte wurden von Udo Lindenberg übersetzt.