Das Schöne und das Widerwärtige liegen oft nah beieinander. Auch in der Musik. So deutet eine gute Komposition nicht unbedingt auf einen ebensolchen Charakter eines Künstlers hin. Zu dieser Erkenntnis kam unlängst David Hunter von der Universität Texas. Er erforschte die Beziehung zwischen Sklaverei und klassischer Musik und stolperte dabei zufällig über Georg Friedrich Händel. Der Name des deutsch-britischen Komponisten befand sich auf einer Liste von Investoren der Royal African Company. Diese Königlich Afrikanische Gesellschaft war in den 1710er und 1720er Jahren hauptverantwortlich für die Verschleppung und Versklavung von Afrikanern gewesen.

Hunter recherchierte in London weiter und fand heraus, dass Händel gleich mehrere Aktien der Handelsgesellschaft besessen hatte. Außerdem war ein Drittel der Abonnenten des Opernunternehmens Royal Academy of Music in London, dessen musikalischer Leiter Händel war, Investoren der Royal African Company. Und da manche der Investoren selbst Plantagen in den Kolonien besaßen, ist davon auszugehen, dass sie vom Sklavenhandel wussten. Allerdings, so Hunter weiter, steckte die Antisklavereibewegung noch in den Kinderschuhen, es sei daher schwer zu sagen, inwieweit die Zustände auf den Schiffen und auf den Plantagen, die Misshandlungen der Sklaven bis zum Tod wirklich bekannt waren.