Cover des Erfolgalbums "Tubthumper", erschienen 1997. - © Chumabwamba/Emi
Cover des Erfolgalbums "Tubthumper", erschienen 1997. - © Chumabwamba/Emi

Pop im England der 1990er: Oasis und Blur wetteifern um den Britpop-Olymp, Pulp erobern die Hitparade mit ihrem Song "Common People" über Entrechtete und deren Leben ohne soziales Netz. Aber auch die Arbeiterklasse ist hittauglich. Chumbawambas "Tubthumping" mit dem Refrain "I get Knocked down, but I get up again" handelt von der Ausdauer der Arbeiterklasse. Das Lied umkreist als Nummer eins die Welt. Ein Mitglied der achtköpfigen Combo startet nun ein Crowdfunding für eine Doku, um die Geschichte hinter dem Song zu zeigen – von den Anfängen der Band, über den kometenhaften Aufstieg bis hin zum Erbe von "Tubthumping".


Link-Tipps
Crowdfounding-Website "I get Knocked Down"

Website Chumbawamba
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Ihr Weg zum Ruhm verlief nicht gerade typisch: 15 Jahre lang traten Chumbawamba, wohnhaft in einem besetzen Haus in Leeds, meist in besetzten Häusern auf, tourten mit einem Bus durch Europa, schliefen auf Böden und diskutierten stundenlang über Anarchie, Syndikalismus und Klassenkampf. 15 Jahren lang waren sie unabhängig – beinahe: abhängig waren sie nur von ihren Fans. 1997 unterzeichnete die Band einen Vertrag bei EMI, die Single Tubthumping erschien – und vorbei war es mit der Unabhängigkeit. Das Lied wurde ein weltweiter Hit, nicht ganz nach dem Geschmack der Band – gelinde gesagt. Sie versuchten, ihre Bekanntheit als Kamin zu nutzen, durch den sie Geld von den Major Labels absaugten, um es an diejenigen weiterzugeben, die sie (nach wie vor) unterstützten: streikende Hafenarbeiter, anarchistische Radio-Stationen, Gemeinschaftszentren...

Perrier statt Pints

Doch ihren Fans gefiel der Rummel und der Ruhm wenig. Die Band würde sich verkaufen, so die lauteste Kritik. Sie kehrten Chumbawamba den Rücken zu. Und in den Medien wurden sie als Perrier-Trinkende Emporkömmlinge dargestellt, wie zum Beispiel in einem Cartoon im "The Guardian" damals. Die Veröffentlichung des Folgealbums "WYSIWYG" markierte dann wiederum die Rückkehr der Band zu ihren Wurzeln: Sie verschwanden wieder aus dem Mainstream, das Album leerte Ihre Konten und ließ die Band mit nichts zurück.

In der geplanten Band-Dokumentation soll nun diese Achterbahn nachgezeichnet werden – angefangen von ihren DIY-Auftritten in England über den zum Madison Square Garden und zurück. "Es ist wichtig, dass diese Geschichte nicht als eine Fußnote in dem Buch der Ein-Hit-Wunder verloren geht, denn dieses absurde Abenteuer kann uns inspirieren und wertvolle Lektionen liefern über den Zusammenhang von Pop und Politik, Kunst und Aktivismus, Musik und Chaos", sagt Dunstan Bruce, Bandmitglied seit 1982. Er hat die Crowdfunding-Kampagne gestartet, um das nötig Geld für die Dokumentation zu sammeln. 2016 soll der Film erscheinen. Mal sehen.