Die letzte Weihnachtsfeier ist geschafft, die Weihnachtsgans liegt wohlbehütet im Magen und endlich herrscht Frieden und Ruh'. Das ist der richtige Zeitpunkt, um endlich gute, sinnhafte und bewegende Weihnachtsmusik zu hören. Eines kann ich gleich vorweg verraten, bei dieser ganz speziellen Form der akustischen Unterhaltung ist es wie beim Wein: Das Alter hat eine essentielle Bedeutung...und nicht jeder Song kann sich über Jahrzehnte frisch halten.

Otis Redding: White Christmas

Im Dezember 1967 verunglückte Otis Redding tödlich. Sein Flugzeug stürzte in den Lake Monona. Doch schon davor war der Soul-Sänger mit unvergessenen Auftritten in Europa und beim Monterey-Festival zur Legende geworden. Seine Interpretation des Irving-Berlin-Klassikers erschien posthum im Winter 1968. Redding nimmt dem Song die Zuckerglasur und macht daraus ein emotionales Statement.

 

The Band: Christmas Must Be Tonight

Als Begleitband von Bob Dylan wurde sie weltberühmt: Der schlichte Name "The Band" ist pure Untertreibung. Die Musiker um Robbie Robertson waren eine der besten Country-Rock-Bands ihrer Zeit. Mitte der 70er Jahre entstand dann dieser Weihnachtssong. Doch er erschien erst auf der Restlverwertungs-Platte "Islands" - und ging dadurch entsprechend unter. "Christmas Must Be Tonight" hebt sich von anderen klebrig-süßen Weihnachtsmelodien deutlich ab. Ruhiger Country-Rock ohne Firlefanz.

 

Clarence Carter: Backdoor Santa

Dem Soul-Sänger aus Alabama ist eine nicht ganz jugendfreie Version eines Weihnachtssongs geglückt. Carters Santa ist nicht nur zu Weihnachten unterwegs, und seine Nächstenliebe gilt nur dem anderen Geschlecht.  Erstmals 1968 veröffentlicht, ist der Song von etlichen Künstlern nachgesungen bzw. gesampelt worden. Carters Interpretation ist aber nach wie vor herausragend.

 

Smashing Pumpkins: Christmastime

Billy Corgan in Weihnachtsstimmung: Das alleine rechtfertigt bereits das Anhören von "Christmastime". Aufgenommen für die Benifiz-Platte "A Very Special Christmas 3" sorgt die sanfte Seite von Corgan noch heute für Verblüffung. Der Glatzkopf hat allerdings vom Fest nicht genug und vor einigen Jahren noch einen weiteren Weihnachtssong für seine Fans gesungen.

 

Bruce Springsteen: Santa Claus Is Coming To Town

"The Boss" hat ein Faible für Weihnachten. Bei Konzerten vor dem Fest spielt er immer wieder Weihnachtssongs. Besonders gut kommt "Santa Claus Is Coming To Town" bei den Fans an. Springsteen rockt sich entspannt bis heute durch diesen Song-Klassiker.

 

Prince: Another Lonely Christmas

Als B-Seite einer Single aus dem "Purple Rain"-Album publiziert, hat es dieser Song von Prince nur noch auf eine Hits/Rarities-Sammlung des Künstlers geschafft. Prince hat den Song auch nur ein einziges Mal live dargeboten. "Another Lonely Christmas" ist - wie erstaunlich viele andere -  ein melancholischer Weihnachtssong, doch die nachgetrauerte Liebe wird nie wieder zurückkehren.

The Emotions: Black Christmas

1970 als Single herausgekommen, wurde die Platte im weißen Amerika nicht gut aufgenommen, besangen die Emotions doch ein "black christmas". Heute ist dieses Statement nicht mehr revolutionär, trotzdem hat der Song nichts von seiner Schönheit und seiner politischen Botschaft verloren.

 

Sponge: Christmas Day

Klassischer Alternativ-Rock der 90er Jahre. Die US-Indie-Band Sponge lässt ein gitarrenlastiges Feuerwerk los, Grunge meets Christmas. Und dazu die passende Song-Zeile: They're lost in christmas day. Natürlich die Eltern, die sich mit den klassischen Weihnachtsprogramm abmühen.

 

Sir Mack Rice: Santa Claus Wants Some Lovin'

Weihnachten als Fest der Liebe: Soul-Veteran Mack Rice ("Mustang Sally") hat auch am Festtag nur das Eine im Sinn. Die Kinder schlafen, die Mutter ist in der Küche und Santa Claus begnügt sich nicht mit Milch und Keksen. Soul ohne Firlefanz, da konnte nur Albert King mit einer Blues-Version mithalten.

 

Juliana Hatfield: Make It Home

Indie-Queen Juliana Hatfield schaffte mit wenigen Akkorden ein stimmungsvolles und gleichzeitig melancholisches Weihnachtslied. Anklänge an "Stille Nacht" sind nicht zufällig. Die Songwriterin sang den Song auch in der US-TV-Kultserie "My So Called Life" zu Beginn der 90er Jahre.