Beginnen wir unsere kleine Reise durch das erste Quartal dieses Jahres und seine - zumindest hierorts - überhörten Popproduktionen in Kanada. Von wo es viele Jahre - zumindest im Indie-Bereich - in breiter Front exemplarisch herübertönte, ist es zuletzt ruhiger geworden. Auch in dem Sinne, dass sich weniger auftrumpfende (wie etwa Arcade Fire oder Hidden Cameras) denn mehr samtpfötige Acts aus dem "Experimental Folk" bemerkbar machten. Wie etwa der aus Victoria, British Columbia, stammende Singer/Songwriter Aidan Knight. Von ihm und seiner fünfköpfigen Band selbigen Namens ist im Jänner das dritte volle Album, "Each Other" (Full Time Hobby/Rough Trade), erschienen.

Es klingt, in acht Songetappen, wie ein später Nachhall vergangener (nicht nur kanadischer) Monumentalität. Alles da: breite Instrumentierung, dramatische Arrangements, melancholische Texturen - und doch wird die breite Palette nicht voll ausgereizt. Feine musikalische Farbtupfer da und dort, gezügelte Leidenschaften, zurückgenommene Expressivität, getragener stimmlicher Duktus ("I’m the Funeral Singer", heißt es in einem Song atmosphärisch passend). Und doch entwickelt diese Scheibe eine zauberhafte Grandezza, eine durchgängig erhabene Stimmung.

Einmal grummelt Knight bärbeißig tief wie Bill Callahan, obwohl Vortrag und Gesamtperformance eher an Landsmann Pa-trick Watson oder US-Bands wie Shearwater oder Local Natives erinnern. Dabei ist Knight mit seiner Stimme unzufrieden, wie er in dem Song "What Light (Never Goes Dim)" verrät: "I am not in love with the sound of my voice."

Wir hingegen schon. Und erst (r)echt in love sind wir mit dem Bassbariton des ehemaligen Sängers der norwegischen Kultband Madrugada, Sivert Høyem, der Ende Jänner sein bereits fünftes Soloalbum veröffentlicht hat. Im Gegensatz zu den eher düsteren, rockig-verschlierten Vorgängern präsentiert er sich auf "Lioness" (Hektor Grammofon/Rough Trade) als vollmundiger Crooner, der stimmlich diesmal näher an Richard Hawley denn an Nick Cave heranrückt. In den zehn Songs dominieren große Gesten, denn Pathos ist für Hoyem kein Fremdwort, live schon gar nicht, wie man erst kürzlich wieder - leider nur in Deutschland - erleben durfte.