Welche Schlüsse konnten Sie daraus ziehen?

Ich lernte, dass alles, was wir auf der Erdoberfläche tun, in unser Trinkwasser wandert. Unser Wasserplanet besteht nicht nur aus Flüssen, Seen und Ozeanen, sondern aus einem riesigen Grundwassernetzwerk, das uns verbindet. Wir alle teilen uns diese Trinkwasserressource. Dennoch gehen uns die sauberen Ressourcen aus. Darauf weise ich in meinen Büchern und Multimediaprojekten hin.

Meistens sind Sie ohne Reiseführer unterwegs . . .

Im Jahr 2000 war das so. Ich war die Erste, die das Privileg hatte, in das Innere arktischer Eisberge vorzudringen. Meine Aufgabe war es, die Ökologie des Eisrandes zu erforschen und nach Lebensformen unter dem Eis zu suchen. Zum Einsatz kam eine Technik namens "Rebreather" (Kreislauftauchgerät, Anm.). Man kann sie mit jener vergleichen, die für Weltraumspaziergänge verwendet wird. Damit ist es möglich, tiefer zu tauchen als noch vor zehn Jahren. Mit ganz bestimmten Gasen kann man bis zu 20 Stunden unter Wasser bleiben.

Welche Herausforderungen bestehen dabei konkret?

Mein Arbeitsplatz ist ein sehr dunkler Ort, an dem es sehr eng werden kann. Es fühlt sich seltsam an, denn man hat ständig das Gefühl, als ob man wieder und wieder unter einem Sitz hindurchkriechen muss, mit der Gefahr, stecken zu bleiben. Und da es ausschließlich dunkel ist, haben die Tiere keine Pigmente und auch keine Augen. Sie sind komplett daran angepasst, in diesem lichtlosen Reich zu überleben. Ich bringe das Licht zu ihnen.

Haben Sie niemals Angst?

Aber nein. Ich habe immer Angst. Die Angst ist mein Freund, der mir die Trennlinie aufzeigt, wo Forschung und Entdeckung beginnt oder endet. Sie hilft mir dabei, Risiken richtig einzuschätzen und eine gute Entscheidung dabei zu treffen, wie ich an jene Dinge herangehe, die schwierig und neu sind. Wenn mich etwas Furchteinflößendes überrascht, habe ich gelernt, wie ich meine Atmung gezielt kontrolliere. Man muss pragmatisch bleiben, Emotionen weglassen und sich auf das Überleben konzentrieren.

Es scheint, dass Sie bei jeder Mission Ihr Leben riskieren.

Laut Statistik sterben durchschnittlich 20 Taucher jährlich, trotz modernster Ausrüstung und professionellem Training. Viele meiner engsten Freunde haben bei diesem Extremsport mit ihrem Leben bezahlt. Oft bin ich die einzige Frau in einer von Männern beherrschten Domäne. Ich teste die Limits der menschlichen Ausdauer bei jeder engen Windung aus, setze mein Leben bei jedem neuen Projekt aufs Spiel.

Welcher Moment gehört zu den gefährlichsten in Ihrer Karriere?

Ich war im Inneren eines Eisbergs gefangen, die Flutströmung war enorm. Ein anderes Mal steckte mein Tauchpartner in einer Höhle fest und blockierte meinen Ausgang. Ich wusste aber immer, dass ich heil rauskomme.

. . . und der schönste?

Eine Höhle auf Bermuda, wo ich gigantische Tropfsteine sah. Sie glichen riesigen Hochzeitstorten in türkisem Wasser. Mich beschlich das Gefühl, in einer Art Wunderland angekommen zu sein.