Yanti muss für drei Wochen im Krankenhaus bleiben. Wochen, die ihm endlos erscheinen. Immer wieder kreisen seine Gedanken um die Zukunft. Werden er und seine Freundin Nico sich ein Leben lang um ihre Tochter kümmern müssen? Nach und nach findet er viele Antworten und jegliche Zweifel lösen sich in Luft auf: "Yantis Geschichte ist wie eine Reise in ein fernes Land, aus dem wir verändert zurückkehren: mutiger, offener, voller Staunen." Körner schildert ehrlich und berührend, wie es möglich ist, trotzdem auf Reisen zu gehen, um die Menschen und das Leben neu zu entdecken. Vorausgesetzt, man wertet das Downsyndrom als das, was es ist. "In den meisten Fällen nichts Schlechtes", so Körner.

Wir sind das Problem

Das eigentliche Problem seien wir, so die provokante These von Körner. Wir, die ohne Auffälligkeiten und Behinderungen zur Welt zu kommen und durchs Leben zu gehen. Er selbst habe "herzlich wenig über die Chromosomenstörung Trisomie 21 gewusst" und musste mit der Zeit lernen, was es genau ist. Er beginnt, sich damit zu beschäftigen: "Während mich die Gegenwart unserer Tochter beruhigt, ängstigt mich, was ich über den Umgang von Menschen mit Downsyndrom in der Vergangenheit und heute lese." Absaugung zwischen der 6. und 12. Schwangerschaftswoche. Die Tatsache, dass es in Island zwei Geburten von Kindern mit Downsyndrom im Jahr gibt. In Dänemark will man downsyndromfrei sein, auch in China. In Deutschland, Großbritannien, den USA gibt es Abtreibungsraten um die neunzig Prozent. Warum nur werden Menschen mit dem Downsyndrom so wenig in der Gesellschaft wertgeschätzt, fragt er sich.

Er selbst ist fest dazu entschlossen, dass es seine Tochter besser haben wird. Sagte doch eine Krankenschwester in Berlin-Kreuzberg nach der Geburt: "Yanti hat Sie als Eltern ausgesucht." Er erfährt in den ersten Lebensmonaten mit Yanti, dass sie in keine Schublade passt. "Es ist das Leben, das wir uns ausgesucht haben." Mit Nico, seiner Jugendliebe und Mutter seiner Tochter, verbindet ihn die Lust am Reisen. Gemeinsam waren sie in Afrika, haben die Big Five Afrikas - Elefanten, Nashörner, Büffel, Löwen, Leoparden - bestaunt, waren in den höchsten Wellen von Bali surfen und haben das Leben an den entlegensten Plätzen auf der Welt genossen. Das soll auch nicht zu Ende sein, wissend, dass "Yanti das größte aller Abenteuer sein wird. Nicht nur vor unserer Haustür, sondern überall, wo wir zusammen hingehen werden". Gemeinsam mit ihr soll es weitergehen wie davor, denn das war der Plan: Simbabwe, Indonesien, Sri Lanka, Mosambik, Myanmar, Dominikanische Republik. Die Welt ist schließlich groß.

"Ich bin Pessimist. Darin liegt mein Optimismus", schreibt er und nimmt die Herausforderung an. "Es war dieses Jetzt-erst-recht- Gefühl, das ich von meinen Reisen kannte. Das Abenteuer hatte längst begonnen, ob ich wollte oder nicht. Also würde ich es annehmen. Ich würde nicht nur dafür kämpfen, dass Yanti am Leben blieb, sondern auch dafür, dass sie ihren ganz eigenen Weg gehen, akzeptiert und geliebt würde." Er entscheidet sich dafür, der Gesellschaft ein Schnippchen zu schlagen und zwar als "glückliche Menschen". Man werde "kein Mitleid für uns empfinden, wenn wir das Glück ausstrahlen, das wir mit Yanti empfinden". Laut dem letzten Happiness-Index aus den USA ist es ja auch so, dass sich 99 Prozent der Menschen mit Downsyndrom als "glücklich" und 96 Prozent als "gut aussehend" bezeichnen, so Körner.