In ihrem Namen schwingt mit, dass sie die Nachfahren der alten Ägypter (aigyptoi) sind und noch in deren sprachlicher Tradition stehen. An die zehn Prozent der heutigen ägyptischen Bevölkerung, also rund acht Millionen Menschen, und weitere zwei Millionen im Ausland dürften Kopten sein. Dieser Tage betrauert diese größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten Schenouda III., der seit 1971 als "Papst von Alexandria und Patriarch von ganz Afrika" die koptische Kirche angeführt hat und am 17. März im 89. Lebensjahr gestorben ist. Laut Überlieferung war er der 117. Nachfolger des Evangelisten Markus auf dem Sitz des Patriarchen von Alexandria, der aber seit dem Jahr 1047 vorwiegend in der Hauptstadt Kairo residiert. Wir kennen ein ähnliches Phänomen ja auch aus Österreich, wo römisch-katholische Diözesen wie Graz-Seckau und Gurk-Klagenfurt einen aktuellen und einen historischen Ortsnamen beinhalten.

Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und mehrfacher Buchautor.
Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und mehrfacher Buchautor.

Würde man in der Millionen-Show fragen, um wen es sich bei Nasir Gayid Rafail handelt, würden sich die allermeisten sehr schwer tun, aus den vier Antwortangeboten die richtige Wahl zu treffen. Unter diesem Namen wurde Schenouda III. am 3. August 1923 in Abnoub in der oberägyptischen Provinz Assiut geboren. Nach Studien der Theologie, Geschichte und Archäologie trat er 1954 ins Kloster ein, wurde Privatsekretär des damaligen Kopten-Papstes Kyrillos VI. und 1962 zum Bischof geweiht. Als er am 31. Oktober 1971 zum Papst gewählt wurde, hatte bereits eine Auswanderungswelle koptischer Christen aus Ägypten eingesetzt. Seit der ägyptischen Revolution von 1952 verließen fast zwei Millionen Kopten das Land, in Europa, Nordamerika und Australien bildeten sich koptische Gemeinden, für die inzwischen Diözesen errichtet und Bischöfe bestellt wurden. Für Österreich und die deutschsprachige Schweiz ist seit dem Jahr 2000 der ursprüngliche Chirurg Anba Gabriel koptischer Bischof.

Wenige wissen auch, seit wann zum Beispiel Katholiken und Kopten getrennte Wege gingen. Die Spaltung erfolgte schon durch das Konzil von Chalcedon (451), auf dem die Kopten und andere altorientalische Kirchen die Lehre, Christus habe zwei Naturen besessen (eine göttliche und eine menschliche), ablehnten und meinten, diese Naturen seien vermischt und vereint wie Feuer und Eisen in einem glühenden Eisenstück.

Schenouda III. hat die pastorale Arbeit seiner Kirche ausgebaut, vor allem die bedeutsame Sonntagsschulbewegung gepflegt. Aus ihr gingen so viele Berufungen hervor, dass die fast ausgestorbenen Klöster Ägyptens heute wieder hunderte Mönche beherbergen. Für sein Engagement im ökumenischen Dialog, für Friedensförderung und Gewaltfreiheit erhielt der weithin geachtete Kirchenmann bedeutende Auszeichnungen. In Ägypten hatte er es nicht immer leicht, wiewohl ihn nach seinem Tod unter anderen auch der Großmufti, der Parlamentspräsident und die Muslimbruderschaft würdigten und betrauerten.