Am 22. Mai wurde bekannt, dass der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer die Selbst-Exkommunikation von Martha Heizer und ihrem Mann Gerd Heizer festgestellt hat. Nach einem TV-Beitrag über "private Eucharistiefeiern ohne Priester" war ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet worden, das nun diesen Ausgang genommen hat. Martha Heizer, die erst am 28. März 2014 zur Vorsitzenden der Reformbewegung "Wir sind Kirche" gewählt worden ist, erklärte unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht, dass sie weder das Dekret annehme noch das Verfahren und die Entscheidung akzeptiere.

Dass der Bischof selbst über die Sache nicht glücklich ist, kann man seinem Statement entnehmen: "Ich empfinde es als Niederlage, dass es uns nicht gelungen ist, das Ehepaar Heizer zum Umdenken zu bewegen und so das Verfahren zu vermeiden. Denn die Feststellung einer Selbst-Exkommunikation ist kein Sieg, sondern immer eine Niederlage für die Kirche. Mit großem Bedauern stelle ich fest, dass es bis jetzt kein Umdenken der Betroffenen gegeben hat."

Seither vergeht kaum ein Tag, an dem nicht pro oder kontra Martha Heizer Stellung bezogen wird. Leserbriefschreiber und der Sprecher der Pfarrerinitiative Helmut Schüller (aber zum Beispiel nicht der Vertreter dieser Initiative in Tirol) kritisieren die Hierarchie. Der frühere Vorsitzende von "Wir sind Kirche", Hans Peter Hurka, rät hingegen Heizer zum Rücktritt von ihrem Amt, da sonst die gesamte Reformbewegung belastet sei. Heizer zeigte sich bisher dazu nicht bereit, sie will aber bei der nächsten Vorstandssitzung von "Wir sind Kirche" am Dienstag nach Pfingsten die Vertrauensfrage stellen.

Die Bischöfe teilen den Standpunkt ihres Innsbrucker Kollegen, auch ein so progressiver Mann wie der Austro-Brasilianer Erwin Kräutler hält private Eucharistiefeiern für "absoluten Unsinn". In seiner riesigen Diözese am Amazonas leiten vorwiegend Laien die kleinen Gemeinschaften. Dort können 90 Prozent der Gemeinden nicht regelmäßig Eucharistie feiern, weil es zu wenige Priester gibt. Trotzdem, so Kräutler, seien Eucharistiefeiern durch Laien undenkbar, das wäre ein Vorgehen "außerhalb der Gemeinschaft". Seit 2000 Jahren gebe es in der Kirche Beauftragung: "Du kannst dich ja auch nicht selber zum Arzt machen."

Ich teile etliche der Reformanliegen von "Wir sind Kirche" und Pfarrerinitiative, aber in dieser Frage verstehe ich vollkommen den Standpunkt der Kirchenleitung, den meines Wissens auch die bisher öffentlich dazu Stellung nehmenden Theologen, auch solche aus der evangelischen Kirche, teilen. Die Selbstermächtigung zu sakramentalem Handeln hat in der Kirche - außer in absoluten Notsituationen, etwa im Falle einer Nottaufe - mit gutem Grund keine Tradition. Schon in der Urkirche gab es kirchliche Ämter und klar geregelte Aufgaben. Reformorientierte werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass damals auch Frauen als Diakoninnen tätig waren. Aber es ist ein beträchtlicher Unterschied, ob man Reformen anstrebt - wie es ich und viele Unterzeichner des seinerzeitigen Kirchenvolksbegehrens tun - oder ob man sofort in der Praxis die geltenden Regeln missachtet. Dabei gehe ich davon aus, dass im Fall Heizer die Kirchenleitung genau geprüft hat, ob tatsächlich das Sakrament der Eucharistie von Laien simuliert wurde oder nur in einem Gebetskreis Brot und Wein miteinander geteilt wurden.