Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und mehrfacher Buchautor (2013 veröffentlichte er mit Josef Bruckmoser "Weltmacht oder Auslaufmodell - Religionen im 21. Jahrhundert").
Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und mehrfacher Buchautor (2013 veröffentlichte er mit Josef Bruckmoser "Weltmacht oder Auslaufmodell - Religionen im 21. Jahrhundert").

Sie waren ja recht nett, die Spekulationen im Vorfeld, wen Papst Franziskus zum Kardinal befördern könnte. Aber die Mehrzahl der Männer, die nun wirklich auf der Liste stehen, überrascht vermutlich auch die bestinformierten "vaticanisti" in Rom. Diese Liste hat Signalwirkung - im Hinblick auf eine stärkere Internationalisierung des Senats der katholischen Kirche, auf ein Zurückdrängen des Einflusses der Kurie und auf ein anderes Persönlichkeitsprofil der vom Papst erwünschten Eminenzen.

Von den zwanzig neuen Purpurträgern, denen ihre Würde am 14. Februar verliehen werden soll, sind 15 unter 80 Jahre alt und damit zur Papstwahl berechtigt. Das Gremium, das den nächsten Papst wählen darf, bekommt dadurch zu ungefähr einem Achtel ein neues Gesicht. Diese 15 neuen Kardinäle kommen aus 14 verschiedenen Ländern, zehn davon aus "Ländern des Südens". Nur einer gehört der römischen Kurie an, aber immerhin vier sind Ordensmänner. Vergeblich sucht man die Oberhirten von Venedig, Turin, Chicago, Madrid, Toledo oder Brüssel, denen man schon so etwas wie ein historisches Recht auf die Kardinalsernennung zusprach. Dafür bekommen erstmals Tonga (mit nur ungefähr 14.000 Katholiken), Myanmar oder die Kapverdischen Inseln einen Kardinal.

Durch die Ernennung stärkt Franziskus auch mehreren Männern den Rücken, die besonders im Sinne seiner Hauptanliegen wirken: dem Ranguner Erzbischof Charles Maung Bo, der sich für die diskriminierten Christen in Myanmar einsetzt; dem in Flüchtlingsfragen besonders aktiven Agrigenter Erzbischof Francesco Montenegro, der für die Insel Lampedusa zuständig ist; Erzbischof Pierre Nguyen Van Nhon von Hanoi, der die unter starker staatlicher Repression leidende Kirche Vietnam repräsentiert; Erzbischof Berhaneyesus Demerew Souraphiel von Addis Abeba, der in Äthiopien gegen Malaria und Armut ankämpft; aber auch sozial engagierten lateinamerikanischen Erzbischöfen wie Alberto Suarez Inda von Morelia (Mexiko) oder Daniel Fernando Sturla Berhouet von Montevideo (Uruguay).

Unter den fünf neuen Kardinälen, die das 80. Lebensjahr bereits vollendet haben, fällt der frühere Vatikan-Diplomat Karl-Josef Rauber aus Deutschland auf, der als Nuntius in verschiedenen Ländern nicht als "Hardliner" und somit nicht gerade zur Freude seiner damaligen Vatikan-Oberen und auch von Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., agierte. Die Ernennung Raubers, der sich davon völlig überrascht zeigte, hat besondere Signalwirkung.