Aus der Kurie, der Franziskus knapp vor Weihnachten die Leviten las, wird lediglich der erst im November zum Leiter des Obersten Gerichtshofs berufene Dominique Mamberti den Kardinalspurpur erhalten. Von der Tradition, dass ein Kurienamt wie jenes des "Archivars und Bibliothekars der Heiligen Römischen Kirche", das derzeit Erzbischof Jean-Louis Brugues innehat, mit dem Kardinalshut verbunden ist, wich der Papst aus Argentinien ab.

Wie scharf Franziskus im Dezember die Krankheiten der Kurie benannte, ließ so manchen fragen, ob man so zu Mitarbeitern sprechen sollte. Kann es sein, dass Franziskus in der Kurie mehr "Gegenarbeiter" als Mitarbeiter verspürt. Man erinnert sich an "Vatileaks", aber auch an ein Buch, das 1999 in Italien Aufsehen erregte und folgende Passage über die Kurie enthielt: "Es ist eine Vetternwirtschaft nach allen Regeln der Kunst, die der Papst ganz genau kennt, doch fehlt ihm der Mut, die Peitsche zu schwingen, um die Ränkeschmiede aus der Kurie zu verjagen. Er hat verstanden, dass das Spiel ihm aus der zitternden Hand gleitet, der es an Festigkeit fehlt, um diese Hemmungslosen zu entfernen, die er selbst mit so viel purpurner Macht ausgestattet hat. Obwohl er sie sehr gut kennt, tut er als rechter Duckmäuser so, als achte er sie für etwas, was sie nicht sind. ,Was soll ich denn tun?‘ vertraute sich Johannes Paul II. einer ihm nahe stehenden polnischen Person an. ,Zu viele sind beschuldigt, und sie stehen zu weit oben; ich kann sie nicht alle und in so kurzer Zeit entmachten.‘"

"Via col vento in Vaticano" (Vom Winde verweht im Vatikan) lautete der Originaltitel des Buches, dem diese Zeilen entstammen und das den deutschen Titel "Wir klagen an" trug. Die anonyme Autorengruppe, der angeblich etwa 20 Kurienprälaten angehörten, nannte sich "I Millenari" und prangerte zahlreiche grobe Missstände im Vatikan - von Korruption und Karrierismus bis zu Freimaurerei und sexuellen Verfehlungen - an. Ein einziger der Mitautoren, Monsignore Luigi Marinelli, konnte ausfindig gemacht werden. Er erklärte: "Dieses Buch ist für den nächsten Papst geschrieben, er wird es verstehen." Der aus damaliger Sicht übernächste Papst scheint es nicht nur verstanden zu haben, sondern auch die Entschlossenheit zu besitzen, entsprechend zu handeln.