Christian Schuhböck ist Gerichtssachverständiger für Naturschutz, Landschaftsökologie und Landschaftspflege, spezialisiert auf das Welterbe, Nationalparks und internationale Schutzgebiete sowie Verfasser des "Memorandums zum Schutz des Weltkultur- und Weltnaturerbes Österreichs". - © privat
Christian Schuhböck ist Gerichtssachverständiger für Naturschutz, Landschaftsökologie und Landschaftspflege, spezialisiert auf das Welterbe, Nationalparks und internationale Schutzgebiete sowie Verfasser des "Memorandums zum Schutz des Weltkultur- und Weltnaturerbes Österreichs". - © privat

Der Großglockner, mit 3798 Metern Österreichs höchster Berg, ist Namensgeber der quer durch die Hohen Tauern führenden Großglockner-Hochalpenstraße. Diese dürfte 2016/2017 aus rein wirtschaftlichen Gründen als Weltkulturerbekandidat ins Rennen geschickt worden sein, die Evaluierung der Nominierung durch den Internationalen Denkmalrat (Icomos) wird dieser Tage abgeschlossen, das Ergebnis wird dann an die Unesco weitergeleitet. Der Nationalpark Hohe Tauern als potenzielles Unesco-Weltnaturerbe hingegen steht bereits seit 2003 auf Österreichs Warteliste.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gab es erste Bemühungen zur Gründung eines Naturschutzparks im Alpengebiet. Doch sollten mehr als sechs Jahrzehnte vergehen, bis in der "Heiligenbluter Vereinbarung" 1971 die Schaffung des Nationalparks Hohe Tauern unterzeichnet wurde. Erst nach einem weiteren Jahrzehnt wurde in Kärnten (1981) und dann in Salzburg (1983) der Nationalpark eingerichtet. Weitere zwei Jahrzehnte sollte es dauern, bis das Schutzgebiet auch in Tirol (1991) gesetzlich verankert wurde. Zuvor war es zu erbitterten Auseinandersetzungen um das Speicherkraftwerksprojekt Dorfertal-Matrei gekommen, nach dessen Plänen alle wesentlichen Gletscherbäche an der Südabdachung der Großvenediger-, Großglockner-, Granatspitz- und Schobergruppe ins Kalser Dorfertal abgeleitet werden sollten. Deshalb organisierte die Naturschutzorganisation Alliance For Nature (damals: Alpine Allianz) 1988/1989 im Rahmen der Initiative "Rettet das Dorfertal" eine Phalanx von Bürgerinitiativen der Gemeinden Kals am Großglockner, Matrei in Osttirol und Prägraten am Großvenediger sowie Natur- und Umweltorganisationen (darunter Alpenverein, Naturschutzbund, Naturfreunde, WWF) gegen das umstrittene Kraftwerksprojekt, das sodann politisch abgesagt wurde. Somit war auch der Weg frei für den Nationalpark in Osttirol. Heute umfasst der länderübergreifende Nationalpark Hohe Tauern (Kärnten, Salzburg und Tirol) eine Fläche von mehr als 1850 Quadratkilometern.

Österreichs größter Gletscher, die Pasterze, 1920 (o.) und 2012. - © Alpenverein/N. Freudenthaler
Österreichs größter Gletscher, die Pasterze, 1920 (o.) und 2012. - © Alpenverein/N. Freudenthaler

1930 bis 1934 errichtet, war die Großglockner-Hochalpenstraße einer der wichtigsten Repräsentationsbauten der Ersten Republik und nach ihrer Vollendung eine zusätzliche Nord-Süd-Verbindung über den 156 Kilometer langen Abschnitt des Alpenhauptkammes zwischen Brenner und Radstädter Tauern. Im Laufe der Zeit wandelte sich der Verkehrsweg zu einer touristischen Ausflugsstraße - mitten in die Hochgebirgsregion der Ostalpen, denn sie verlor mit dem Bau der Felbertauernstraße (1967) und der Tauernautobahn (1975) ihre zentrale Funktion als Nord-Süd-Verbindung.